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Dystopia's Provocateurs: Peasants, State, and Informality in the Polish-German Borderlands
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs löste die Annexion der ostdeutschen Gebiete durch Polen einen der größten demografischen Umbrüche in der europäischen Geschichte aus. Edyta Materka reist in ihr Heimatdorf in den „Wiedergewonnenen Gebieten“, wo sie den mündlichen Erzählungen der ursprünglichen slawischen Nachkriegssiedler und der verbliebenen Deutschen, die die Umwandlung Ostdeutschlands in Westpolen miterlebt haben, aufmerksam zuhört.
Sie entdeckt, dass Bauern, Arbeiter und Eliten die im Krieg erprobten informellen Strategien, die sie „Kombinacja“ nannten, anpassten, um ein Mindestmaß an lokaler Handlungsfähigkeit zu bewahren und gleichzeitig die Wechselfälle der anderswo formulierten Politik zu überstehen, von der stalinistischen Kollektivierung bis zur Schockdoktrin des Neoliberalismus. Die Informalität hat viele Formen angenommen: als Lebensweise, als Weltanschauung, als alternativer historischer Text, als Grenzerinnerung und als Mittel der magischen Transformation in Krisenzeiten.
Materka wagt sich über die konventionelle Ethnografie hinaus und spürt den vielfältigen historischen, literarischen und psychologischen Dimensionen der Kombinacja nach. Indem sie sich mit dem Erbe der Informalität in ihrer eigenen transnationalen Familie auseinandersetzt, sucht Materka in den Grenzgebieten nach dem „Kombinator im Inneren“ und teilt ihre eigenen Erinnerungen daran, wie die polnische Diaspora in Amerika neue Verwendungsmöglichkeiten für die Kombinacja fand.