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The Regency of Tunis, 1535-1666: Genesis of an Ottoman Province in the Maghreb
Eine neue Geschichte des osmanischen Tunis.
Die erste osmanische Eroberung von Tunis fand 1534 unter dem Kommando von Kheireddine Barbarossa statt. Doch erst 1574 erlangten die Osmanen endgültig die Kontrolle über das ehemalige Hafsid Ifriqiya (das heutige Tunesien), das sie bis zur französischen Besetzung Tunesiens im Jahr 1881 behielten. Die Regentschaft von Tunis wurde so zu einer kaiserlichen Provinz, in der sich Menschen aus dem gesamten Gebiet des Osmanischen Reiches niederließen und durch Heirat mit Frauen aus angesehenen lokalen Familien rasch eine neue Elite bildeten. Dieses Buch untersucht die Stellung des ehemaligen Hafsid-Territoriums in der osmanischen Welt und die sozialen Entwicklungen, die die Entstehung der vereinigten Regentschaft von Tunis bis zum Tod von Hamouda Pascha begleiteten.
Wer waren die Turko-Osmanen, die die Hafsidenkönige vom Thron stoßen konnten? Handelte es sich um adlige Offiziere, wie so oft behauptet wird? Die Quellen zeichnen ein anderes Bild: Es waren Schurken aus dem fernen Anatolien und Gefangene von Korsaren aus dem ganzen Mittelmeerraum. Diese Männer weiteten die Kaperfahrten zu ihrem eigenen Vorteil aus, nahmen die Reichtümer des Landes an sich und monopolisierten die Exporte nach Europa.
Le la Blili revidiert die konventionelle Geschichtsschreibung über das osmanische Tunesien, das von Historikern weithin als autonome Provinz betrachtet wird, die von einer dominanten Klasse von Türken-Ottomanen regiert wurde, die von der lokalen Gesellschaft abgeschnitten waren. Sie zeigt, dass die Regentschaft von Tunis weit weniger autonom war, als die Sekundärwissenschaft behauptet, und dass sie durch ihre Analyse der Ehen dieser Turko-Osmanen in der Tat gut in die lokale Bevölkerung integriert waren. Dabei beleuchtet sie auch den Stellenwert verwandtschaftlicher Bindungen bei der Festlegung von Erbschaften, dem Zugang zu Machtsphären und dem Erwerb von Adelstiteln selbst.