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Rewriting Revolution: Women, Sexuality, and Memory in North Korean Fiction
Nordkorea, die Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK), ist in der westlichen Vorstellung fest verankert als barbarisches Überbleibsel des Kalten Krieges, als "Schurkenstaat", der sich weigert, sich an internationale Normen zu halten. Sie gilt als kriegerisch und unterdrückerisch, als eine arme Nation, die ihren Bürgern die grundlegenden Menschenrechte vorenthält und ihr Atomwaffenprogramm auf Kosten einer schwächelnden Wirtschaft ausbaut. Sogar die literarische Produktion des Nordens wird stigmatisiert und als reine Propagandaliteratur abgetan, die den Großen Führer preist.
Das Buch von Immanuel Kim stellt diese Stereotypen in Frage und bietet eine komplexere Darstellung der Literatur im Norden, die sich auf Schriften aus den 1960er Jahren bis heute stützt. Der Staat, der die "Revolution schreiben" will, schreibt große Erzählungen vor, deren Figuren durch ihre politische Verpflichtung gegenüber dem Führer, der Partei, der Nation und dem Kollektiv motiviert sind. Kim erkennt diese Qualitäten zwar an, plädiert aber für eine tiefer gehende Lektüre. In einigen Romanen und Erzählungen, so stellt er fest, ist der Weg zum revolutionären Helden oder zur revolutionären Heldin nicht länger eine einfache Angelegenheit eines formelhaften Handlungsverlaufs; stattdessen wird er durch individuelle Wünsche, Entscheidungen, Zweifel und Vorstellungen herausgefordert, unterbrochen und in Frage gestellt. Vor allem die Belletristik der 1980er Jahre zeichnet sich durch erfrischende Handlungsstränge und eine tiefere Charakterentwicklung sowie durch kreative Ansätze bei der Darstellung von Frauen, Sexualität und Familie aus. Diese Veränderungen sind so auffällig, dass sie ein "Goldenes Zeitalter" der nordkoreanischen Belletristik einläuteten, wie Kim es nennt.
Rewriting Revolution zeigt die aufschlussreichen literarischen Grenzen auf, die Individuen bei der Verhandlung ihrer politischen und sexuellen Identitäten in einem revolutionären Staat kritisch darstellen. In dieser frischen und zum Nachdenken anregenden Analyse nordkoreanischer Belletristik blickt Kim über die vordergründige Staatspropaganda hinaus, um die dynamische literarische Welt zu erkunden, in der Individuen mit menschlichen Emotionen zu Hause sind. Sein Buch füllt eine große Lücke und wird sowohl für Literaturwissenschaftler und Historiker Ostasiens als auch für Wissenschaftler, die sich mit globalen und vergleichenden Studien zu sozialistischen Ländern beschäftigen, von Interesse sein.