Bewertung:

Derzeit gibt es keine Leserbewertungen. Die Bewertung basiert auf 2 Stimmen.
The Quest for Redemption: Central European Jewish Thought in Joseph Roth's Works
The Quest for Redemption: Central European Jewish Thought in Joseph Roth's Works von Rares Piloiu füllt eine wichtige Lücke in der Roth-Forschung, indem es Roths Hauptwerke der Belletristik zum ersten Mal in den Kontext eines generationsübergreifenden Interesses an religiöser Erlösung unter den jüdischen Intellektuellen Mitteleuropas stellt. Darin argumentiert Piloiu, dass Roths herausforderndes, oft widersprüchliches und ambivalentes literarisches Werk das Ergebnis eines Versuchs ist, moralische, politische und historische Realitäten einer empirisch beobachtbaren Welt durch das Medium der Literatur in eine neue, religiös verklärte Realität umzuformen.
Diese diegetische Neufassung phänomenologischer Begegnungen mit dem Realen ist Ausdruck von Roths Überzeugung, dass, da sich das Selbst und die Welt aufgrund ihrer Trennung in der Moderne in einer anhaltenden Krise befinden, eine Wiederherstellung ihrer Einheit notwendig ist, um die historische Existenz von Individuen und Gemeinschaften gleichermaßen zu erlösen. Piloiu stellt jedoch fest, dass Roths Unterfangen in dieser Hinsicht nicht nur für sein Werk gilt, sondern von einer ganzen Generation mitteleuropäischer jüdischer Intellektueller geteilt wird. Diese Generation, desillusioniert vom übermäßigen Säkularismus, Rationalismus und Nationalismus der Moderne, suchte eine radikale Lösung in der Wiederbelebung mystischer religiöser Traditionen - vor allem in der jüdischen Idee der messianischen Erlösung.
Ihre Verwendung des chassidischen Erlösungsbegriffs war insofern höchst originell, als sie den Begriff von seinem theologischen Inhalt befreiten und ihn so entblößt auf die säkulare Erfahrung der Wirklichkeit anwendeten. Infolgedessen ist Roths Suche nach Erlösung eine Suche nach einer Erlösung des Individuums nicht außerhalb, sondern innerhalb der Geschichte.