
Seeking Accountability for Nazi and War Crimes in East and Central Europe: A People's Justice?
In diesem Sammelband entwickeln sechzehn Historiker einen neuen Ansatz für die Prozesse gegen Personen, die in Europa während des Aufstiegs des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs (1933-1945) Kriegsverbrechen und Massenmord begangen haben. Die Beiträge konzentrieren sich auf die sozialen Aspekte der Forderung nach Gerechtigkeit und stützen sich auf bisher wenig genutzte lokale und internationale Quellen.
Sie stellen das Konzept der Schauprozesse auf den Prüfstand und untersuchen eine Reihe von juristischen und politischen Kulturen von Deutschland bis zur Sowjetunion. In den Aufsätzen werden die Erwartungen an die Rechenschaftspflicht und die Formen der Mobilisierung seitens einer Reihe von Bürgern, die an den Prozessen beteiligt waren, aufgedeckt: Überlebende, Zeugen, Täter, Nazi-Jäger und zivilgesellschaftliche Aktivisten. Neben der Perspektive dieser Bürger greifen die Autoren auf die Expertise von Reportern, Filmemachern, Historikern, Ermittlern und Staatsanwälten zurück, die die öffentliche Darstellung der Justiz geprägt haben.
Wie die Autoren zeigen, unterstützten diese Gestaltungsbemühungen häufig den Wunsch der politischen Behörden, von der Öffentlichkeit der Prozesse zu profitieren und die spontane Verbreitung von Informationen einzudämmen. Die eingehende Untersuchung der Interaktionen zwischen Bürgern und Behörden zeigt somit das Ausmaß und die Grenzen dessen auf, was man als Koproduktion von Gerechtigkeit bezeichnen könnte, und beleuchtet dabei die Interdependenz zwischen historischem Wissen und juristischer Verfolgung von Massenverbrechen.