
The Interweaving of Rituals: Funerals in the Cultural Exchange between China and Europe
Der Tod des italienischen Jesuiten Matteo Ricci in China im Jahr 1610 war Anlass für die Demonstration europäischer Rituale, die einem katholischen Priester angemessen waren, und chinesischer Rituale, die dem Land, in dem die Jesuitengemeinschaft lebte, angemessen waren.
Anstatt Ricci sofort in einem einfachen Sarg in der Nähe der Kirche zu begraben, wie es in Europa üblich war, folgten die Jesuiten den chinesischen Gepflogenheiten und bewahrten Riccis Leichnam fast ein Jahr lang in einem luftdicht verschlossenen Sarg nach chinesischem Vorbild auf und baten den Kaiser um einen Begräbnisplatz außerhalb der Stadtmauern. Darüber hinaus führten die Chinesen bei Riccis Beerdigung auf eigene Initiative ihre Bestattungsrituale durch und begannen damit einen langen und komplexen kulturellen Dialog, in dem sie im nächsten Jahrhundert die Führung übernahmen.
Die Verflechtung von Ritualen untersucht die Rolle von Ritualen - insbesondere von Riten im Zusammenhang mit Tod und Begräbnis - im interkulturellen Austausch und zeigt eine allmähliche Verflechtung von chinesischen und europäischen rituellen Praktiken auf allen Ebenen der Interaktion im China des 17. Dazu gehören das Zusammenspiel traditioneller und neuer Rituale durch eine christliche Gemeinschaft von Bürgerlichen, das Aufpfropfen christlicher Begräbnisse auf etablierte chinesische Praktiken und das Sponsoring von Begräbniszügen für Jesuitenbeamte durch den Kaiser. Durch sorgfältige Beobachtung der Details der Bestattungspraxis veranschaulicht Nicolas Standaert die Mechanismen der gegenseitigen kulturellen Interaktion.
Seine durchdachte Analyse des rituellen Austauschs zwischen zwei sehr unterschiedlichen kulturellen Traditionen ist in der heutigen Welt der globalen ethnischen und religiösen Spannungen besonders relevant. Seine Erkenntnisse werden für ein breites Spektrum von Wissenschaftlern, von Historikern über Anthropologen bis hin zu Theologen, von Interesse sein.