
Exhibiting the Past: Historical Memory and the Politics of Museums in Postsocialist China
Während der Mao-Ära hatten Chinas Museen eine explizite und einheitliche Propagandafunktion: Sie unterstrichen die offizielle Parteigeschichte, priesen die Helden der Revolution und trugen zum Aufbau der Nation und des Sozialismus bei. Mit der Umsetzung des Post-Mao-Modernisierungsprogramms in den späten 1970er- und 1980er-Jahren und dem Aufkommen der Globalisierung und der Marktreformen in den 1990er-Jahren durchlief China einen radikalen sozialen und wirtschaftlichen Wandel, der zu einer weitaus heterogeneren Kultur und Politik geführt hat.
Dennoch wird China von einer einzigen leninistischen Partei beherrscht, die sich weiterhin stark auf ihr revolutionäres Erbe stützt, um politische Legitimität zu erlangen. Mit seinen Botschaften des Kollektivismus, der Selbstaufopferung und des Klassenkampfes steht dieses Erbe zunehmend im Widerspruch zur chinesischen Gesellschaft und zur eigenen neoliberalen Ideologie der rasanten Entwicklung, der Verherrlichung des Marktes und des Unternehmertums. In diesem zweideutigen politischen Umfeld müssen Museen und ihre Kuratoren zwischen revolutionärer Ideologie und neuartigen historischen Erzählungen verhandeln, die eine neoliberale Gegenwart widerspiegeln und hervorheben.
In Exhibiting the Past analysiert Kirk Denton verschiedene Arten von Museen und Ausstellungsräumen, von Museen zur Revolutionsgeschichte, Militärmuseen und Märtyrer-Gedenkstätten bis hin zu Museen, die sich der Literatur, ethnischen Minderheiten und der lokalen Geschichte widmen. Er erörtert den roten Tourismus - ein staatlich gefördertes Programm, das 2003 als neue Form der patriotischen Erziehung entwickelt wurde, um die revolutionäre Geschichte lebendig werden zu lassen - und städtebauliche Ausstellungshallen, die utopische Visionen von Chinas Zukunft projizieren, die in neuen Vorstellungen von der Vergangenheit wurzeln.
Dentons Methode ist narratologisch in dem Sinne, dass er die Geschichten, die Museen über die Vergangenheit erzählen, und die politischen und ideologischen Implikationen dieser Geschichten analysiert. Denton konzentriert sich auf die "offizielle" Ausstellungskultur und nicht auf die alternative oder gegensätzliche Erinnerung und bringt den Staat wieder in die Diskussion über die postsozialistische Kultur ein, weil er für diese Kultur von zentraler Bedeutung ist und um zu zeigen, dass der staatliche Diskurs in China weder monolithisch noch unveränderlich ist.
Das Buch zeigt, wie unterschiedlich die staatlichen Museen auf die dramatischen sozialen, technologischen und kulturellen Veränderungen reagieren, die China in den letzten drei Jahrzehnten erlebt hat.