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The Lost Territories: Thailand's History of National Humiliation
Die Thailänder sind der festen Überzeugung, dass ihr Land nie kolonialisiert wurde. Dennoch prangern Politiker, Wissenschaftler und andere Medienvertreter chronisch den westlichen Kolonialismus und den imperialistischen Raub thailändischer Gebiete an. Thailändische Historiker betonen, dass sich das Land erfolgreicher an die westlich dominierte Weltordnung angepasst hat als andere südostasiatische Königreiche, und feiern ihre stolze Geschichte der Unabhängigkeit. Doch viele thailändische Politiker sehen den Westen als Bedrohung und stellen Thailand als Opfer dar. Das Verhältnis Thailands zum Westen ist eindeutig ambivalent.
The Lost Territories erforscht dieses Rätsel, indem es zwei wichtige und gegensätzliche Stränge der thailändischen Geschichtsschreibung untersucht: die bekannte königlich-nationalistische Ideologie, die Thailands lange Geschichte der ununterbrochenen Unabhängigkeit feiert, und das, was der Autor als "Diskurs der nationalen Erniedrigung" bezeichnet, sein Spiegelbild. Shane Strate untersucht die Ursprünge und Folgen des Diskurses der nationalen Erniedrigung und zeigt, wie der moderne thailändische Staat die Idee der nationalen Erniedrigung genutzt hat, um eine Form des antiwestlichen Nationalismus zu fördern. Im Gegensatz zu triumphalistischen königlich-nationalistischen Erzählungen stellt die Geschichte der nationalen Erniedrigung Thailand als Opfer westlicher imperialistischer Schikanen dar. Indem sie sich auf Schlüsselthemen wie Exterritorialität, Handelsungleichgewichte und Gebietsverluste konzentriert, behauptet die Geschichte der Nationalen Demütigung, dass der Westen die Entwicklung Thailands behindert hat, obwohl er sich zu seiner Unterstützung und Zusammenarbeit bekannte. Obwohl der Staat in dieser Erzählung der Held bleibt, handelt es sich um ein tragisches Heldentum, das von Leid und fremder Unterdrückung geprägt ist.
Durch seine aufschlussreiche Analyse staatlicher und medialer Quellen zeigt Strate auf, wie thailändische Politiker die Symbolik der nationalen Demütigung zur Unterstützung von ethnischem Chauvinismus und militärischer Expansion eingesetzt haben. Er zeigt, wie dieser Diskurs zur ideologischen Grundlage der irredentistischen Strategie Thailands, der antikatholischen Kampagne des Staates und der Akzeptanz des Panasiatismus während des Zweiten Weltkriegs wurde; und wie das Narrativ vom "Staat als Opfer" von Politikern benutzt wurde, um die thailändische Identität neu zu definieren und das Militär in die Rolle des nationalen Retters zu versetzen. Die verlorenen Gebiete werden für Historiker und Politikwissenschaftler von besonderem Interesse sein, da sie viele Episoden der thailändischen Außenpolitik beleuchten, darunter auch den aktuellen Streit um Preah Vihear. Die Analyse der Manipulation des historischen Gedächtnisses in diesem Buch wird Akademiker interessieren, die ähnliche Phänomene weltweit erforschen.