
Double Visions, Double Fictions: The Doppelgnger in Japanese Film and Literature
Seit seiner ersten bekannten Verwendung in der deutschen Romantik Ende des 17. Jahrhunderts ist das Wort Doppleganger (Doppelgänger) in einer Vielzahl von Literaturen, Kulturen und Medien zu finden. Dieses Motiv der Verdoppelung ist auch über historische und kulturelle Grenzen hinweg zu beobachten. Double Visions, Double Fictions analysiert die unzähligen Erscheinungsformen des Doppelgängers in japanischen Literatur- und Kinotexten an zwei historischen Punkten: der Zwischenkriegszeit der 1920er und 1930er Jahre und der heutigen Zeit.
Dem Autor Baryon Tensor Posadas zufolge markiert der Doppelgänger den Schnittpunkt zwischen dem historischen Einfluss der psychoanalytischen Theorie, dem Genre des japanischen Kriminalromans, dem frühen japanischen Kino und der kulturellen Produktion des japanischen Kolonialismus. Er untersucht das Auftauchen des Doppelgängers in den Werken von Edogawa Rampo, Tanizaki Jun'ichiro und Akutagawa Ryunosuke sowie in den Filmen von Tsukamoto Shin'ya und Kurosawa Kiyoshi nicht nur als wiederkehrendes Motiv, sondern auch als kritische Praxis von Konzepten. Nach diesen Erkundungen fragt Posadas: Was waren die sozialen, politischen und materiellen Bedingungen, die das Verlangen nach dem Doppelgänger mobilisierten? Und wie erfasst der Doppelgänger die sozialen Veränderungen, die in diesen historischen Momenten stattfanden?
Double Visions, Double Fictions zeigt schließlich, wie das Motiv des Doppelgängers einen faszinierenden neuen Hintergrund für das Verständnis der Verflechtung von Vergangenheit und Gegenwart bietet.