Bewertung:

Derzeit gibt es keine Leserbewertungen. Die Bewertung basiert auf 3 Stimmen.
Dostoevsky and the Riddle of the Self
Dostojewski lehnte die Vorstellung von individueller Autonomie ab, und doch setzte er sich zeitlebens und in seinem Werk vehement für die Freiheit und Unantastbarkeit des Selbst ein. Diese Ambivalenz hat sein vielfältiges und oft widersprüchliches Vermächtnis belebt: als Vorläufer der Psychoanalyse, Urvater des Existenzialismus, postmoderner Avantgardist, religiöser Traditionalist und romantischer Mystiker.
Dostojewski und das Rätsel des Selbst zeichnet einen vereinheitlichenden Weg durch Dostojewskis künstlerische Reise zur Lösung des "Geheimnisses" des menschlichen Wesens. Ausgehend von den ungewöhnlichen Formen der Intimität, die die Figuren zeigen, die sich in einem größeren kollektiven Selbst zu verlieren suchen, betrachtet Yuri Corrigan die fiktionalen Werke als eine kontinuierliche experimentelle Leinwand, auf der Dostojewski das Problem des Selbstseins durch wiederkehrende symbolische und narrative Paradigmen erforschte. Mit neuen Lesarten von Werken wie Der Idiot, Dämonen und Die Brüder Karamasow erzählt Corrigan die Geschichte von Dostojewskis lebenslanger Reise zur Überwindung der Pathologie des Kollektivismus, indem er einen Durchgang in die verwundete, umkämpfte, abweisende und offenbarende Landschaft der Psyche entdeckt.
Corrigans Argumentation bietet einen grundlegenden Wandel in den Theorien über Dostojewskis Werk und wird sowohl für Wissenschaftler der russischen Literatur als auch für Leser von großem Interesse sein, die sich für die Vorgeschichte der Psychoanalyse und der Traumastudien sowie für Theorien des Selbst und ihre kulturellen Quellen interessieren.