
An Evangelical Adrift: The Making of John Henry Newman's Theology
An Evangelical Adrift ist eine theologische Biografie von John Henry Newman (1801-1890), die die prägendste Zeit seiner Entwicklung rekonstruiert: die Jahre zwischen seiner Bekehrung als Teenager zum Evangelikalismus im Jahr 1816 und dem Beginn der traktarischen Bewegung im Jahr 1833. In den frühen 1830er Jahren hatte Newman einen Großteil der Theologie, die er in den späten 1810er und frühen 1820er Jahren vertrat, ausdrücklich abgelehnt und eine höchst originelle, zutiefst persönliche und ziemlich radikale Alternative entwickelt, deren Grundgedanken sein Denken auch im späteren Leben prägten. Bis heute gibt es weder eine historisch genaue noch eine theologisch ausgefeilte Darstellung dieses Wandels: Die Zeit, in der er sich vollzog, wird vernachlässigt, seine Bedeutung wird übersehen, sein Wesen und sein Inhalt werden falsch dargestellt, und sein Umfang wird eingeengt.
Spätere wissenschaftliche Darstellungen stützen sich nicht nur auf Newmans eigene kurze Abhandlung über diese Zeit in seiner autobiografischen Apologia pro vita sua (1864), sondern sind auch durch die hartnäckige Annahme belastet, dass Newmans katholische Sensibilität und seine antiliberalen Überzeugungen zeitlebens konstant waren. Diese Annahme wurde durch Frank Turners revisionistische Biographie des Anglikaners Newman (2002) und die anschließende Debatte über ihre Rezeption problematisiert. Zuijdwegt argumentiert, dass Turner zu Recht den Evangelikalismus als ein zentrales polemisches Ziel des anglikanischen Newman identifizierte, aber sein Argument zu weit ausdehnte, indem er Newmans selbsternannten lebenslangen Kampf gegen den Liberalismus als eine viel spätere Glosse auf diese frühere Geschichte reduzierte.
Die vorliegende Studie bietet eine überzeugende Alternative sowohl zu den gängigen als auch zu den revisionistischen Interpretationen. Auf der Grundlage einer detaillierten historischen und theologischen Analyse des gesamten Spektrums an Primärquellen (darunter viel vernachlässigtes veröffentlichtes und unveröffentlichtes Material) rekonstruiert sie akribisch Newmans jugendliche Annahme des Evangelikalismus, seine allmähliche Abkehr davon und seine theologische Alternative dazu. Im Gegensatz zu den meisten Mainline-Studien argumentiert sie, dass es sich dabei um einen grundlegenden Wandel handelte, der nahezu jeden Aspekt von Newmans Theologie betraf. Im Gegensatz zu Turner und anderen Revisionisten argumentiert er, dass dieser Wandel das Ergebnis sorgfältiger und konsequenter theologischer Überlegungen und Reflexionen war und dass der Antiliberalismus genauso dazu gehörte wie der Anti-Evangelikalismus.