Bewertung:

Das Buch untersucht die Geschichte der Umweltbewegung in der UdSSR und beschreibt ihre Bedeutung für die Bewahrung des Ethos der russischen Wissenschaft und ihren Einfluss auf den politischen Aktivismus, der schließlich zum Zusammenbruch der UdSSR führte. Es wird als ein Werk der Sozialphilosophie beschrieben, das die Existenz von Opposition in jeder Gesellschaft als Katalysator für sozialen und politischen Wandel hervorhebt.
Vorteile:Das Buch bietet eine tiefgreifende historische Analyse der russischen ökologischen Bewegung und ihrer Auswirkungen auf Gesellschaft und Politik. Es verbindet historische Ereignisse mit allgemeineren Themen der Sozialphilosophie und ist damit für Leser, die sich für Ökologie und soziale Bewegungen interessieren, aufschlussreich.
Nachteile:Da es sich um den zweiten Band einer Reihe handelt, müssen die Leser möglicherweise den ersten Band lesen, um den Kontext vollständig zu verstehen, was für einige ein Hindernis darstellen könnte. Der spezielle Fokus auf die UdSSR könnte auch die Attraktivität für ein breiteres Publikum einschränken.
(basierend auf 1 Leserbewertungen)
A Little Corner of Freedom: Russian Nature Protection from Stalin to Gorbachev
Bei seinen Recherchen zu den historischen Bemühungen Russlands um den Naturschutz stieß Douglas Weiner auf unerwartete Funde: eine Reihe von Dokumenten, die grundlegende Fragen zum politischen System der Sowjetunion aufwarfen.
Diese überraschenden Dokumente belegen das unwahrscheinliche Überleben einer kritisch denkenden, von Wissenschaftlern geleiteten Bewegung während der Stalinzeit und darüber hinaus. Es zeigte sich, dass innerhalb der wissenschaftlichen Gesellschaften alternative Visionen der Landnutzung, der Ressourcenausbeutung, des Lebensraumschutzes und der Entwicklung aufrechterhalten und sogar öffentlich vertreten wurden.
In krassem Gegensatz zu den bekannten sowjetischen Praktiken waren diese wissenschaftlichen Gesellschaften stolz auf ihre Traditionen freier Wahlen, ausländischer Kontakte und eines vorrevolutionären Erbes. Weiner porträtiert die Naturschützer nicht als Systemverweigerer und auch nicht als harmlose Weltverbesserer. Vielmehr nutzten sie einen unkontrollierten Bereich der Rede und Aktivität sowie die Schirmherrschaft durch sowjetische Beamte der mittleren Ebene, um für einen sanfteren Weg der Entwicklung zu kämpfen.
Dabei verteidigten sie ihre unabhängige soziale und berufliche Identität gegenüber einem System, das versuchte, allen Menschen offizielle Modelle für Verhalten, Ethik und Identität aufzuzwingen. In einem lebendigen Stil geschrieben, erzählt diese fesselnde Geschichte zum ersten Mal, wie die organisierte Beteiligung am Naturschutz eine Arena für die Bestätigung und Aufrechterhaltung selbst geschaffener sozialer Identitäten in der UdSSR bot und eine Gegenkultur bewahrte, deren Erbe bis heute überlebt.