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A Gathering of Matter / A Matter of Gathering: Poems
Das Werk von Dawn Lundy Martin ist weder Sprachpoesie, die das sprechende Subjekt ablehnt, noch reine Lyrik, die das sprechende „Ich“ umarmt. Man könnte es am besten als Lyrik beschreiben, in der, in den Worten von Juliana Spahr, „die Lyrik auf die Sprache trifft“ - sowohl eine Untersuchung der Undurchsichtigkeit der Sprache als auch der Ausdruck eines leidenschaftlichen Sprechers, der um eine sinnvolle Sprache ringt.
Martins Gedichte biegen die Form zu etwas Neuem, indem sie einen Weg suchen, sich dem Schrecklichen und seiner Wirkung auf die Psyche umfassender zu nähern, als es in der abgenutzten Rille der traditionellen Lyrik möglich wäre. Ihr formaler Erfindungsreichtum wird ausgeglichen durch eine feste Verankerung in der körperlichen Erfahrung und in der erstaunlichen Fähigkeit der Sprache, sich in Martins Händen zu erweitern. Sie sprengt jede Vorspiegelung einer Welt, in der Worte genau das bedeuten, was wir mit ihnen ausdrücken wollen, nicht mehr und nicht weniger.
Die Gedichte sind weder sanft noch leicht, aber sie machen deutlich, dass weder Sanftheit noch Leichtigkeit angemessen sind, wenn es darum geht, sich mit Trauma und Gewalt auseinanderzusetzen, die ein unausweichlicher Teil der menschlichen Geschichte und der menschlichen Erfahrung sind. Martins Buch erkennt die Schwierigkeit, aber nicht die Unmöglichkeit an, sich im Kielwasser des Traumas zu äußern, und es wagt sich auf vielen Ebenen, von der persönlichen bis zur kulturellen, an das Unvorstellbare heran.