
Immigration and Nationalism: Argentina and Chile, 1890-1914
"Dreckiger als die Hunde von Konstantinopel." "Wellen von menschlichem Abschaum, die von anderen Ländern auf unsere Strände geworfen werden". So lauteten die bissigen Beschimpfungen gegen Einwanderergruppen in Chile und Argentinien zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Doch nur fünfundzwanzig Jahre zuvor waren die Einwanderer noch herzlich willkommen gewesen. Dieser dramatische Wandel in der Einstellung während des Vierteljahrhunderts vor dem Ersten Weltkrieg ist das Thema von Carl Solbergs Studie. Er untersucht detailliert die Reaktionen der einheimischen Schriftsteller und Politiker auf die Einwanderung und zeigt sowohl die Ähnlichkeiten als auch die bedeutenden Unterschiede zwischen den Situationen in Argentinien und Chile auf.
Mit der zunehmend nationalistischen Einstellung gegenüber der Einwanderung wurde der Europäer nicht mehr als sparsamer, fleißiger Landwirt oder als Intellektueller mit überlegenem Geschmack und Wissen dargestellt. Stattdessen wurde der Neuankömmling gemeinhin als subversives Element betrachtet, das darauf aus war, die traditionellen kreolischen sozialen und kulturellen Werte zu zerstören. Kulturelle Phänomene wie das Aufkommen des Tangos und die angebliche Korruption der spanischen Sprache wurden auf die demoralisierenden Auswirkungen der Einwanderung zurückgeführt.
Solberg stützt sich in erster Linie auf Schriftsteller aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und dokumentiert das Aufkommen bestimmter Formen des Nationalismus in Argentinien und Chile, indem er die zeitgenössische Presse, Zeitschriften, Literatur und Theater untersucht. Die Schlussfolgerungen, die sich aus dieser Studie ergeben, lassen sich auch auf die Situation in anderen Ländern übertragen, die mit den Problemen der Assimilierung von Minderheitengruppen zu kämpfen haben.