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Explanation in typology
Dieser Band bietet eine aktuelle Diskussion einer grundlegenden Frage, die in letzter Zeit in den Mittelpunkt der linguistischen Typologie gerückt ist und die für die Sprachwissenschaften im Allgemeinen relevant ist: Inwieweit lassen sich sprachübergreifende Verallgemeinerungen, d. h.
statistische Universalien der sprachlichen Struktur, durch die diachronen Quellen dieser Strukturen erklären? Alle sind sich einig, dass typologische Verteilungen das Ergebnis komplexer Geschichten sind, da "Sprachen sich zu den Variationszuständen entwickeln, auf die sich synchrone Universalien beziehen" (Hawkins 1988). Eine zunehmend populäre Argumentationslinie besagt jedoch, dass viele, vielleicht sogar die meisten typologischen Regelmäßigkeiten langfristige Reflexionen ihrer diachronen Quellen sind und nicht durch übergreifende funktional-adaptive Motivationen "zielgerichtet" sind. Nach dieser Auffassung können wiederkehrende Wege der Reanalyse und Grammatikalisierung zu einheitlichen synchronen Ergebnissen führen, was die Notwendigkeit überflüssig macht, globale Kräfte wie Ambiguitätsvermeidung, Verarbeitungseffizienz oder Ikonizität zu postulieren, insbesondere wenn es keine Belege für solche Motivationen in der Genese der jeweiligen Konstruktionen gibt.
Andererseits ist in der neueren typologischen Literatur auch viel von "komplexen adaptiven Systemen", "Attraktorzuständen" und "sprachübergreifender Konvergenz" die Rede. Man kann sich daher fragen, wie viel Raum für traditionelle funktional-adaptive Kräfte bleibt und wie genau sie die diachronen Trajektorien beeinflussen, die universelle Verteilungen formen.
Die Beiträge des vorliegenden Bandes sollen eine verständliche Einführung in diese Debatte bieten. Sie decken theoretische, methodische und empirische Facetten des Themas ab und repräsentieren aktuelle Denkweisen über die Rolle diachroner Quellen bei der Erklärung grammatischer Universalien, die sowohl von erfahrenen als auch von angehenden Sprachwissenschaftlern geäußert werden.