Bewertung:

Derzeit gibt es keine Leserbewertungen. Die Bewertung basiert auf 2 Stimmen.
Mit erzählerischen Mitteln wie Anspielungen und freien Assoziationen, mehrdeutigen Ausdrücken und Ironie hat der Autor von Esther eine Geschichte geschrieben, die von einer jüdischen Frau, Esther, während der Zeit des persischen Exils der Jehuditer und dem persischen König Ahasverus handelt, der zu dieser Zeit an der Macht war. An verschiedenen Stellen verwendet der Autor auch Geheimschriften, oder wir könnten sagen, dass er gemischte Botschaften vermittelt: eine ist eine Oberflächenbotschaft, aber eine andere, oft widersprüchliche Botschaft liegt unter der Oberfläche.
So ist beispielsweise die äußere Darstellung des Königs als einer der Hauptfiguren eine ironische Strategie des Autors, um die Ohnmacht, die Unentschlossenheit und den "Antihelden"-Status des Königs hervorzuheben. Er mag zwar Autorität ausüben - symbolisiert durch seinen zweimal vergebenen Siegelring -, aber er bleibt machtlos. Unter all den Verheimlichungen in der Geschichte sticht die Verheimlichung Gottes als das herausragendste und einflussreichste Beispiel hervor.
Eine wachsende Zahl von Gelehrten betrachtet das Buch Esther als "komische Unterhaltung", deren Funktion und Absicht darin besteht, den Leser zu unterhalten. Grossman ist jedoch mehr von Michail Bachtins Ansatz überzeugt und bezeichnet seine Anwendung dieses Ansatzes auf die Lektüre von Esther als "theologisch karnevalesk".
Bachtin betrachtete den Karneval (oder das karnevaleske Genre) als eine Herausforderung der Massen an das herrschende Establishment und die akzeptierten sozialen Konventionen. Er beschrieb den Karneval als eine Eruption allgegenwärtiger, aber unterdrückter Volksgefühle. Die Verbindung zwischen der Esther-Geschichte und Bachtins Charakterisierung des Karnevalesken in der Erzählung wird vor allem durch die Verwendung der Motive "Umkehr" und "Verwandlung" im Buch Esther deutlich.
Zum Beispiel wird das junge Mädchen Esther in einer der für die Erzählung charakteristischen Wendungen von einer verbannten Jüdin in eine Königin verwandelt. Viele weitere Beispiele werden in dieser Analyse eines der faszinierendsten Bücher der Bibel angeführt.