
Form and Event: Principles for an Interpretation of the Greek World
Carlo Dianos Form und Ereignis ist in Europa seit langem als ein wichtiges Werk nicht nur für die Altertumswissenschaften, sondern vor allem für die zeitgenössische Philosophie bekannt. Es ist bereits auf Italienisch, Französisch, Spanisch und Griechisch erhältlich und erscheint hier zum ersten Mal in englischer Sprache mit einer umfangreichen Einleitung von Jacques Lezra, die das Buch in die Genealogie der modernen politischen Philosophie einordnet.
Form and Event liest die beiden klassischen Kategorien des Titels phänomenologisch bei Aristoteles, den Stoikern und insbesondere bei Homer. Indem er Achilles mit der Form und Odysseus mit dem Ereignis in Verbindung bringt, verknüpft Diano das Ereignis mit der verkörperten und situierten subjektiven Erfahrung, die gleichzeitig ihren Ausdruck in einer Form findet, die diese Erfahrung objektiviert. Form und Ereignis existieren für Diano nur als Abstraktionen, aber sie kommen in einer Vermischung zusammen, die Diano als „eventische Form“ bezeichnet. Nach Dianos Lesart verweben ereignishafte Formen subjektiv situierte und verkörperte Erfahrungen, die in allen Bereichen des menschlichen und nichtmenschlichen Lebens zu beobachten sind.
Form and Event ist eine verblüffende Interpretation der griechischen Antike, die seit ihrer Veröffentlichung im Jahr 1952 immer noch nachhallt und die Arbeiten von französischen und italienischen Nachkriegsdenkern wie Gilles Deleuze, Alain Badiou, Roberto Esposito und Giorgio Agamben vorwegnimmt.