
Fragile But Resilient?: Turkish Electoral Dynamics, 2002-2015
Ersin Kalaycioglu und Ali Arkoglu, die für die nationalen Wahlen in der Türkei 2002 und 2015 Umfragen durchgeführt haben, die mit der amerikanischen National Election Survey vergleichbar sind, zeichnen die Dynamik nach, die die pro-islamistische konservative Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (Adalet ve Kalkinma Partisi-AKP) 2002 an die Macht brachte und die die Wahlpolitik weiterhin beeinflusst. Die Autoren zeichnen den uneinheitlichen Verlauf der Demokratisierung in der Türkei seit den ersten wettbewerbsorientierten Mehrparteienwahlen im Jahr 1950 nach, der sich in den Wahlen widerspiegelt.
Seit den Marktliberalisierungsreformen von 1980 hat sich die Türkei rasch von einem geschlossenen, landwirtschaftlich geprägten und vergleichsweise unterentwickelten Gemeinwesen zu einem offenen und industriellen Staat entwickelt, der in erster Linie in die Weltwirtschaft integriert ist. Kalaycioglu und Arkoglu analysieren verschiedene Dimensionen von fünf Wahlumfragen im Zeitraum 2002-2015, um zu zeigen, wie sich die daraus resultierenden sozioökonomischen Veränderungen und die traditionellen soziokulturellen Unterschiede auf Wahlen, politische Parteien und einzelne Wähler ausgewirkt haben.
Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die historisch-kulturelle Kluft zwischen ländlichen, peripheren, konservativen Gruppen und eher städtischen, zentristischen und modernisierten Gruppen nicht nur fortbesteht, sondern Wahlen mehr denn je prägt. Dieses Buch bietet nicht nur eine originelle, umfassende und kritische Bewertung der türkischen Wahl- und Parteipolitik, sondern auch eine Fallstudie über das Wahlverhalten in einem Staat, der sowohl eine Demokratisierung als auch eine Marktliberalisierung in einem sich schnell verändernden und unbeständigen internationalen Umfeld durchläuft.