Bewertung:

Das Buch bietet einen ausführlichen Einblick in den Free Jazz und seinen historischen Kontext, was Fans des Genres anspricht, aber auch Kritik an der starken Fokussierung auf Themen der Bürgerrechte und an spalterischen Erzählungen aufkommen lässt.
Vorteile:Bietet eine gründliche Geschichte des Free Jazz und seiner Wurzeln; wertvoll für alle, die sich für dieses Genre begeistern.
Nachteile:Konzentriert sich mehr auf Bürgerrechtsthemen als auf den Free Jazz selbst; wird als spalterisch und propagandistisch wahrgenommen, was zu Frustration und Enttäuschung beim Leser führt.
(basierend auf 2 Leserbewertungen)
Free Jazz/Black Power
1971 schrieben die französischen Jazzkritiker Philippe Carles und Jean-Louis Comolli gemeinsam das Buch Free Jazz/Black Power, eine Abhandlung über die rassischen und politischen Implikationen von Jazz und Jazzkritik. Sie ist ein Zeugnis für die lange ignorierte Begegnung zwischen radikaler afroamerikanischer Musik und französischer linker Kritik.
Carles und Comolli machten sich daran, ein Genre zu verteidigen, das von Jazzkritikern auf beiden Seiten des Atlantiks verunglimpft wurde, indem sie die Verbindungen des neuen Klangs zur afroamerikanischen Kultur, Geschichte und zum politischen Kampf in den frühen 1970er Jahren aufzeigten. Die beiden boten eine politische und kulturelle Geschichte der schwarzen Präsenz in den Vereinigten Staaten, um die zweifelhafte Rolle der Jazzkritik bei der Unterdrückung der Rassen zu beleuchten. Diese Analyse kritisiert die Kritiker, indem sie ein Werk der Kulturwissenschaften in einer Zeit und an einem Ort verfasst, an dem diese Praxis praktisch unbekannt war.
Die Autoren kommen zu radikalen Schlussfolgerungen: Der Free Jazz war eine revolutionäre Reaktion auf die weiße Vorherrschaft, er war das musikalische Gegenstück zur Black-Power-Bewegung und eine Musik, die ein ähnliches politisches Engagement erforderte.
Die Wirkung dieses Buches kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, denn es brachte die Leser dazu, ihre Einstellung zur afroamerikanischen Musik zu überdenken. In einigen Fällen veränderte es die Art und Weise, wie Musiker über Jazz dachten und ihn spielten.
Free Jazz/Black Power bleibt unverzichtbar für die Untersuchung des Verhältnisses des amerikanischen Free Jazz zum europäischen Publikum, zu Kritikern und Künstlern. Philippe Carles war von 1971 bis 2006 Chefredakteur des Jazz Magazine. Er ist Mitautor mehrerer Bücher über Jazz, darunter Dictionnaire du jazz.
Jean-Louis Comolli lehrt an der Universitat Paris-VIII, der FEMIS und der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona. Er ist Filmkritiker, Drehbuchautor, Filmregisseur und Jazzautor. Gr gory Pierrot ist Assistenzprofessor für Englisch an der Universität von Connecticut in Stamford.