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Rethinking Early Christian Identity: Affect, Violence, and Belonging
Maia Kotrosits stellt die zeitgenössische Vorstellung von frühchristlicher Literatur in Frage und zeigt, dass eine Reihe von Texten, die üblicherweise so beschrieben werden - neutestamentliche Schriften wie Hebräer, Apostelgeschichte, Johannesevangelium, Kolosser und 1 Petrus sowie die Ignatiusbriefe, das Evangelium der Wahrheit und die Geheime Offenbarung des Johannes - nicht besonders an einer ausgeprägten christlichen Identität oder Selbstdefinition interessiert sind.
Indem sie sich auf die Kategorien der Traumastudien und der Diasporatheorie beruft und die Dynamik in jedem dieser Texte genau untersucht, zeigt sie vielmehr, dass diese Schriften eine komplexe Auseinandersetzung mit chaotischen Diasporabedingungen und dem transgenerationalen Trauma kolonialer Gewalt bieten. Das Herzstück ihrer Studie ist die Untersuchung der Bedeutung, die zeitgenössische Leser antiken Schriften als Ausdruck einer kohärenten Identität beimessen, und die Frage: Was brauchen und wollen wir von der Geschichte? Kotrosits interagiert mit wichtigen neueren Arbeiten über Identität und Sozialität in der römischen Welt und über die Dynamik des Begehrens auch in der zeitgenössischen Bibelwissenschaft.
Schließlich argumentiert sie, dass die besprochenen Schriften den Aufstieg des Christentums ermöglichten, indem sie ein Vergessen des imperialen Traumas bewirkten, und hinterfragt die affektiven Dimensionen der zeitgenössischen imperiumskritischen Wissenschaft.