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For the War Yet to Come: Planning Beirut's Frontiers
Beirut ist eine geteilte Stadt.
Nach der Grünen Linie des Bürgerkriegs, die den christlichen Osten und den muslimischen Westen trennte, durchziehen heute Hunderte solcher Linien die Stadt. Für die Bewohner von Beirut könnte die Stadtplanung eine Verheißung sein: Eine neue räumliche Ordnung könnte eine friedliche Zukunft bringen.
Doch angesichts unklarer staatlicher Strukturen und ausgelagerter öffentlicher Prozesse ist die Stadtplanung stattdessen zu einem Wettstreit zwischen religiös-politischen Organisationen und profitgierigen Bauunternehmern geworden. Nachbarschaften reproduzieren Armut, Vertreibung und städtische Gewalt. For the War Yet to Come untersucht die Stadtplanung in drei Vierteln der südöstlichen Peripherie von Beirut und zeigt, wie sich diese Gebiete zu Grenzgebieten einer anhaltenden sektiererischen Ordnung entwickelt haben.
Hiba Bou Akar argumentiert, dass diese Viertel nicht in der Erwartung einer strahlenden Zukunft, sondern nach der Logik des bevorstehenden Krieges angelegt wurden: Die Stadtplanung spielt mit Ängsten und Differenzen, Kriegsgerüchten und paramilitärischen Strategien, um den Alltag zu organisieren. Wie sie zeigt, wird der Krieg in Friedenszeiten nicht mit Panzern, Artillerie und Gewehren ausgetragen, sondern in einem eher banalen territorialen Wettstreit um Grundstücke und Wohnungsverkäufe, Bebauungspläne und Planungsvorschriften sowie Infrastrukturprojekte.