
Gabriel Lippmann's Colour Photography: Science, Media, Museums
Das fotografische Verfahren des Physikers Gabriel Lippmann (1845-1921) ist eines der ältesten Verfahren zur Herstellung von Farbfotos. Warum also sind die Errungenschaften dieses Nobelpreisträgers von 1908 außerhalb von Nischenkreisen weitgehend unbekannt geblieben? Dieses Buch nimmt den hundertsten Todestag Lippmanns zum Anlass, über sein wissenschaftliches, fotografisches und kulturelles Vermächtnis nachzudenken, und ist das erste, das seine interferentielle Farbfotografie untersucht.
Die Entstehung dieses Mediums, das erstmals 1891 veröffentlicht wurde, wird hier anhand von drei prägenden Kräften betrachtet: Wissenschaft, Medien und Museen. Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler bewertet Lippmanns Rezeption in der Wissenschaftsgeschichte, wo er am meisten anerkannt ist, neu, indem sie weit über sein Wirken in Frankreich hinausgeht und die Komplexität seiner Farbfotografie als Herausforderung für verschiedene Historiographien untersucht. Darüber hinaus analysieren sie Farbfotografien als optische Medien und pluralisieren so die Verbindungen der Lippmann-Fotografie zur Kunst-, Kultur- und Reichsgeschichte sowie zur Medienarchäologie.
Die Beiträge befassen sich auch mit der Interferenzplatte als bewahrungs- und ausstellungsbedürftigem materiellen Objekt, das zeitgenössische Analogfotografen nach wie vor fasziniert. Der Band ermöglicht es dem Leser, Lippmann kennenzulernen, die interdisziplinäre Komplexität seines farbenfrohen Werks zu erfassen und schließlich seinen Platz in der Geschichte der Fotografie zu erweitern.