
Gaelic Scotland in the Colonial Imagination: Anglophone Writing from 1600 to 1900
Kann Schottland als eine englische Kolonie betrachtet werden? Sind seine Erfahrungen und seine Literatur mit denen der postkolonialen Länder in Übersee vergleichbar? Oder sind solche Vergleiche nichts weiter als patriotische Viktimologie, um die schottische Mitschuld am britischen Empire zu verschleiern und den Nationalismus zu rechtfertigen? Diese Fragen wurden in den letzten Jahren heftig diskutiert, vor allem im Vorfeld des Unabhängigkeitsreferendums von 2014, und bleiben angesichts der anhaltenden Kampagnen für mehr Autonomie und der Forderungen nach einem „indyref2“ nach dem Brexit aktuell.
Gaelic Scotland in the Colonial Imagination bietet eine allgemeine Einführung in das aufstrebende Feld der postkolonialen Schottlandstudien und bewertet sowohl dessen Potenzial als auch dessen Grenzen, um einen weiteren interdisziplinären Dialog zu fördern. Das Buch ist für Leser mit unterschiedlichem Hintergrund zugänglich und verbindet Übersichten über theoretische, soziale und kulturelle Kontexte mit detaillierten Fallstudien literarischer und nichtliterarischer Texte.
Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf den internen Spaltungen zwischen den anglophonen Lowlands und den traditionell gälischen Highlands, die auch in den schottisch-englischen Beziehungen eine entscheidende Rolle spielen. Silke Stroh zeigt, wie sich das Bild der gälischen Ränder Schottlands unter dem Einfluss zweier gleichzeitiger Entwicklungen veränderte: der Entstehung des modernen Nationalstaates und dem Aufkommen des Kolonialismus in Übersee.