
Minds in Motion: Imagining Empiricism in Eighteenth-Century British Travel Literature
Die zentrale Behauptung von Minds in Motion ist, dass das britische Reisewesen des langen 18. Jahrhunderts als erkenntnistheoretisches Spielfeld fungiert, auf dem die Autoren empirische Modelle der Auseinandersetzung mit der Welt testen und gleichzeitig die Rolle des Selbst und der Vorstellungskraft bei der Erzeugung von Wissen erkunden.
Ob sie nun die Beziehung zwischen den Sinnen und dem Verstand, die erzählerische Tragfähigkeit experimenteller Distanz oder die literarische Dynamik virtueller Zeugenschaft erforschen, die Reiseautoren des 18. Jahrhunderts setzen sich immer wieder mit ihrer eigenen Position auseinander und werfen schwierige Fragen über das Wesen und den Wert von Erfahrungen aus erster Hand auf. Auf die eine oder andere Weise verkomplizieren sie auch empiristische Ideale, indem sie die Grenzen der individuellen Wahrnehmung und die Rolle der Vorstellungskraft bei der Erzeugung und Vermittlung von Wissen ausloten.
Während das Genre oft entweder als gefühllos dokumentarisch oder als nicht-literarisch und kommerziell angesehen wird, steht die Reiseliteratur in Wirklichkeit an vorderster Front der intellektuellen Entwicklungen der Epoche und veranschaulicht sowohl die Auseinandersetzung einzelner Schriftsteller mit philosophischen Idealen als auch den Einfluss dieser Ideale auf das Leben der einfachen Menschen. Die Reiseliteratur befasst sich unmittelbar mit den wissenschaftlichen und philosophischen Anliegen der Epoche, wird aber auch weithin und eifrig gelesen.
Als solche bietet sie Modelle für kognitive und rhetorische Praktiken, die von den Lesern bewertet und entweder angenommen oder abgelehnt werden (in einem Identifikationsprozess, der dem in der frühen englischen Belletristik nicht unähnlich ist). Da die Reiseliteratur des 18.
Jahrhunderts für die Entwicklung so vieler Bereiche - von der Botanik bis zum Roman - von entscheidender Bedeutung ist, veranschaulicht sie auf anschauliche Weise die trennenden Energien der Disziplin- und Gattungsbildung und archiviert gleichzeitig die gemeinsamen Ziele und Methoden dessen, was zu eigenständigen Studienbereichen werden sollte. So unterschiedliche Reiseberichte wie Margaret Cavendishs Blazing World (1666) und Samuel Johnsons Journey to the Western Islands of Scotland (1775) offenbaren die erkenntnistheoretischen Kreisläufe des achtzehnten Jahrhunderts und historisieren die Aufnahme der philosophischen Tendenzen, die die Moderne definieren.