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Listening Devices: Music Media in the Pre-Digital Era
Von 1940 bis 1990 haben neue Maschinen und Geräte das Hören von Musik radikal verändert. Kleine und große Schallplatten, neuartige Jukeboxen und Lautsprechersysteme ermöglichten nicht nur eine andere Art der Musikwiedergabe, sondern zeugen auch von einem grundlegenden Wandel der Musik und des Hörens selbst. Ausgehend von den Medien und Maschinen, mit denen das Hören in dieser Zeit stattfand, entwickelt Listening Devices eine neue Geschichte des Hörens. Obwohl diese Geräte leicht zugänglich waren (und oft immer noch sind), haben wir bis heute kein Konzept von ihnen. Um diese Lücke zu schließen, schlägt dieser Band den Begriff "Hörgerät" vor. In Verbindung mit diesem Konzept entwickelt das Buch eine originelle und fruchtbare Methode zur Erforschung des Zuhörens als historisches Thema, das zunehmend im Zusammenhang mit der Technologie organisiert wurde.
Fallstudien zu vier Hörgeräten bilden den Ausgangspunkt der Analyse, die den Leser auf ungewohnte Pfade führt und dabei die populären Klangwelten der Rock'n'Roll-Kultur der 1950er Jahre sowie die Disco- und Clubkultur der 1970er und 1980er Jahre durchquert. Trotz aller Spezifika der verschiedenen Hörgeräte lassen sie sich dennoch vergleichen, weil sie grundlegende Gemeinsamkeiten aufweisen: Sie modellieren und steuern das Hören, sie vermitteln aktiv zwischen dem Hörer und der gehörten Musik, und diese Vermittlung ist es, die sowohl den Hörer als auch die gehörte Musik ins Leben ruft. Letztlich geht es aber darum, dass die Hörgeräte selbst nicht gehört werden sollen, damit die Musik, die sie wiedergeben, gehört werden kann. So bringen sie die Geschichte des Hörens an ihre Grenzen und konfrontieren sie mit ihrem "Anderen" - einer Geschichte des Nicht-Hörens.
Das Buch schlägt "Hörgerät" als Schlüsselbegriff für Sound Studies, Popular Music Studies, Musikwissenschaft und Medienwissenschaft vor. Mit diesem begrifflichen Schlüssel lässt sich ein neues, produktives Verständnis vergangener Musik- und Klangkulturen des vordigitalen Zeitalters und nicht zuletzt auch der Hörkultur der digitalen Gegenwart erschließen.