
Gender, Pleasure, and Violence: The Construction of Expert Knowledge of Sexuality in Poland
Hinter dem Eisernen Vorhang war die Politik in Bezug auf Sexualität und Geschlecht in vielerlei Hinsicht fortschrittlicher als im Westen.
Zwar litten die polnischen Bürgerinnen und Bürger zweifellos unter dem unterdrückerischen Totalitarismus des Sozialismus, aber Abtreibung war legal, klare Gesetze schützten die Opfer von Vergewaltigungen, und es war relativ einfach, sein Geschlecht legal zu ändern. In Gender, Pleasure, and Violence zeigt Agnieszka Kościańska, dass Sexologen - Fachleute wie Ärzte, Therapeuten und Pädagogen - nicht nur Patienten behandelten, sondern auch Sexualkundeunterricht an Schulen erteilten, regelmäßig Kolumnen in der Presse veröffentlichten und äußerst populäre Sexualkundebücher verfassten, die sich millionenfach verkauften. Doch aufgrund der strikten häuslichen Geschlechterrollen war eine wirkliche Gleichstellung nie ganz in Reichweite. Auf der Grundlage von Interviews, teilnehmender Beobachtung und Archivarbeit schildert Kościańska, wie Berufe wie Sexualwissenschaftler die Vorstellungen von sexuellem Vergnügen und sexueller Gewalt im Rahmen dieser weitreichenden kulturellen Veränderungen definierten.
Gender, Pleasure and Violence zeichnet die Entwicklung und Professionalisierung der Erforschung des menschlichen Sexualverhaltens in Polen seit den 1960er Jahren nach und untersucht, wie der Zusammenbruch des Sozialismus sowohl Einschränkungen der Geschlechterrechte als auch neue Möglichkeiten mit sich brachte.