
Talkative Polity: Radio, Domination, and Citizenship in Uganda
Im ersten Jahrzehnt des einundzwanzigsten Jahrhunderts trafen sich jedes Wochenende Menschen in ganz Uganda, um an ebimeeza teilzunehmen, offenen Debatten, bei denen Bürgerinnen und Bürger ihre politischen und sozialen Ansichten darlegen konnten. Diese Debatten, die auch "Volksparlamente" genannt werden, wurden von privaten Radiosendern live übertragen, bis die Regierung sie 2009 verbot.
In Talkative Polity legt Florence Brisset-Foucault die erste umfassende Studie über ebimeeza vor, die unser Verständnis von politischer Meinungsäußerung in restriktiven Kontexten verkompliziert und uns dazu zwingt, von der simplen Einteilung in einen autoritären Staat und eine liberale Zivilgesellschaft abzuweichen. Brisset-Foucault führte von 2005 bis 2013 Feldforschungen durch, hauptsächlich in Kampala, und befragte rund 150 Redner, Zuschauer, Politiker, Staatsbeamte, Journalisten und Mitarbeiter von NRO. Die daraus resultierende Ethnografie belebt die Untersuchung politischer Herrschaft und dokumentiert eine kurzlebige, aber höchst originelle Sphäre des politischen Ausdrucks.
Brisset-Foucault wird damit dem Reichtum und der Tiefe der komplexen politischen und Radiokultur Ugandas ebenso gerecht wie der Geschichte ehrgeiziger junger Menschen, die sich nicht so verhalten wollten, wie der Staat es von ihnen erwartete. An der Schnittstelle von Medien- und Politikwissenschaft angesiedelt, wird Talkative Polity uns allen helfen, die Funktionsweise des öffentlichen Lebens neu zu überdenken.