
Globalizing Race, 30: Antisemitism and Empire in French and European Culture
Globalizing Race untersucht, wie die Überschneidungen zwischen französischem Antisemitismus und Imperialismus die Entwicklung des europäischen Rassendenkens geprägt haben. Angefangen bei den afrikanischen Missgeschicken des antisemitischen Marquis de Mor bis hin zu den Pariser Romanen und Zeitungen professioneller Antisemiten des späten 19. Jahrhunderts argumentiert Dorian Bell, dass Frankreichs koloniale Expansion dem Antisemitismus half, seine moderne, rassifizierende Form anzunehmen - und dass umgekehrt der Antisemitismus die Ausarbeitung des imperialen Projekts selbst beeinflusste.
Globalizing Race geht von Frankreich aus und setzt Autoren wie Guy de Maupassant und Mile Zola in eine nachhaltige Beziehung zu Denkern aus dem gesamten ideologischen Spektrum, darunter Hannah Arendt, Friedrich Nietzsche, Frantz Fanon, Karl Marx, Max Horkheimer und Theodor Adorno. Das Buch setzt sich mit dem auseinander, was als "spatial turn" in der Gesellschaftstheorie bezeichnet wurde, und bietet neue Instrumente, um darüber nachzudenken, wie Rassismen über Raum und Zeit hinweg interagieren. Dazu gehört das, was Bell rassische Skalarität nennt. Rasse, so argumentiert Bell, wurde nicht erst dann globalisiert, als europäischer Rassismus und Antisemitismus das imperiale Vordringen in die entlegensten Gebiete der Welt begleiteten. Vielmehr wurde die Rasse als Methode zur Konstruktion und Verhandlung der verschiedenen Maßstäbe (national, global usw.), die für die Entwicklung des imperialen Kapitalismus notwendig waren, in höchstem Maße global.
Da Frankreich, Europa und die Welt mit einer steigenden Flut von Islamophobie konfrontiert sind, rückt Globalizing Race auch in den faszinierenden Fokus, wie die heutigen französischen Reaktionen auf muslimischen Antisemitismus auf ältere, problematische Formen der Darstellung der europäischen kolonialen Peripherie zurückgehen.