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Gothic Arches, Latin Crosses: Anti-Catholicism and American Church Designs in the Nineteenth Century
Kreuze, Kerzen, Chorgewänder, Blumen im Altarraum und Glasmalereien sind heute in fast allen großen Konfessionen des amerikanischen Christentums üblich. Die meisten protestantischen Kirchenbesucher wären jedoch überrascht, wenn sie wüssten, dass diese Elemente einst mit Misstrauen als fremde Utensilien betrachtet wurden, die ausschließlich mit der römisch-katholischen Kirche in Verbindung gebracht wurden. Indem er Geschichte mit dem Studium der materiellen Kultur verbindet, beleuchtet Ryan K. Smith die ironische Konvergenz von Antikatholizismus und der Gothic-Revival-Bewegung im Amerika des neunzehnten Jahrhunderts.
Smith sieht den Ursprung für beide Bewegungen im plötzlichen Aufstieg des römischen Katholizismus nach 1820, als dieser von einer winzigen Minderheit zur größten religiösen Gemeinschaft des Landes wurde. Dieses Wachstum löste einen entsprechenden Anstieg der antikatholischen Aktivitäten aus, als Aktivisten aller großen protestantischen Konfessionen das "Papsttum" von der Kanzel, in der Presse und in der Politik angriffen. Gleichzeitig zog der katholische Gottesdienst zunehmend junge, vornehme Zuschauer im ganzen Land an. Die Kunst und der greifbare Zugang zum Heiligen passten gut zur Romantik und zum marktwirtschaftlichen Materialismus dieser Zeit.
Smith argumentiert, dass diese Spannungen protestantische Kirchen dazu brachten, mit der Tradition zu brechen und erkennbar lateinische Kunst zu übernehmen. Er zeigt, wie architektonische und künstlerische Merkmale zu Werkzeugen wurden, mit denen sich die Protestanten an die neue Kommerzialisierung Amerikas anpassten und gleichzeitig die starke katholische "Bedrohung" abwehrten. Das Ergebnis war eine farbenfrohe neue religiöse Landschaft, die aber auch die Beständigkeit der traditionellen religiösen Grenzen verdeutlichte.