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Gratian the Theologian
Gratian der Theologe zeigt, dass einer der bekanntesten Kanonisten des Mittelalters auch ein versierter Theologe war. Bis weit ins zwölfte Jahrhundert hinein befassten sich die Kompilationen des Kirchenrechts häufig mit theologischen Fragen.
Gratians Concordia discordantium canonum oder Decretum, das ursprünglich um 1140 verfasst wurde, bildete dabei keine Ausnahme, wie Wei in diesem provokanten Buch behauptet. Das Decretum ist das grundlegende kirchenrechtliche Werk des zwölften Jahrhunderts, das sowohl als Standardlehrbuch des Kirchenrechts in den mittelalterlichen Schulen als auch als maßgebliches Rechtsbuch für kirchliche und weltliche Gerichte diente. Dennoch spielt die Theologie im Decretum eine herausragende Rolle, sowohl um ihrer selbst willen als auch wegen ihrer Verbindung zum Kirchenrecht und zur kanonistischen Rechtsprechung.
Dieses Buch bietet eine Einführung in und eine Neubewertung von drei Aspekten der Theologie Gratians: seine Verwendung der Bibel und seine Bibelexegese, seine Bußtheologie und sein Umgang mit den anderen Sakramenten und der Liturgie. Die Entdeckungen von Manuskripten und die methodischen Durchbrüche der letzten Jahrzehnte haben ältere Darstellungen der Theologie Gratians überflüssig gemacht.
In diesem Buch werden Gratians theologische Ansichten und Lehren im Lichte der jüngsten wissenschaftlichen Fortschritte neu bewertet, insbesondere durch die Entdeckung neuer theologischer Quellen, die Gratian gekannt und benutzt zu haben scheint, und durch die Entdeckung der ersten Rezension des Decretum, die sich in wesentlichen Punkten von dem wesentlich längeren Vulgatentext unterscheidet, auf den sich die Gelehrten traditionell verlassen haben. Dabei werden auch neue Erkenntnisse über Gratians intellektuellen Hintergrund und sein Umfeld gewonnen und neue Einblicke in die Zusammensetzung, Struktur und Entwicklung des Decretum gewährt.
Letztlich trägt dieses Buch nicht nur zu einem besseren Verständnis von Gratian als Theologe bei. Es leistet auch einen wichtigen Beitrag zu unserem Wissen über Gratian als Jurist und über die Welt der Theologie und des Rechts, in der er wirkte.