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Big Men or Chiefs?: Rondel Builders of Neolithic Europe
Wenn es eine Besonderheit des mitteleuropäischen Neolithikums gibt, die die erhöhte Aufmerksamkeit der Forscher und aller an der Vorgeschichte Interessierten verdient, dann ist es die kreisförmige Architektur mit Abmessungen von mehreren Dutzend Metern, von der bis heute nur negative Abdrücke der Gräben und Abdrücke von Pfosten in Form von Pfostenlöchern oder schmalen Gräben erhalten sind. Der Grund dafür ist, dass sie einen ganz anderen Einblick in die Fertigkeiten und zwischenmenschlichen Beziehungen der antiken Gesellschaften bieten, die in der ersten Hälfte des fünften Jahrtausends v. Chr. in Europa lebten.
Die Autoren des Buches gehen der Frage nach, ob diese Strukturen, die meist als Rondelle bezeichnet werden, als "Architektur der Macht" betrachtet werden können - als erste eindeutige Belege für durchdachte Machtstrategien einiger Individuen oder ihrer Gruppen. Handelt es sich dabei - anthropologisch ausgedrückt - um geschickte und außergewöhnliche Unternehmer mit einem Ad-hoc-Status (wie z. B. Big Men), die in egalitären/segmentierten Gemeinschaften lebten, oder eher um mächtige Häuptlinge, die in rang- und erbbasierten Gesellschaften/Häuptlingstümern lebten?
In der Einleitung wird auf die Schwierigkeiten hingewiesen, die sich zwangsläufig ergeben, wenn Kultur(sozial)anthropologie und Archäologie gemeinsam versuchen, Informationen über verwandtschaftliche und sozio-politische Beziehungen zu verallgemeinern, um sie in die Welt archaischer Gesellschaften zu projizieren, die in der archäologischen Überlieferung nur aus der materiellen Kultur bekannt sind. Nach der Zusammenfassung verschiedener Hypothesen fassen die Autoren anhand ausgewählter Fundstellen, Ergebnisse und oft erst kürzlich bearbeiteter Geländeforschungsprojekte weitere Informationen über die Siedlungen und Bestattungen zusammen, um die wichtige Periode darzustellen, in der ein Versuch der Machtakkumulation stattfand, vielleicht nicht der erste, aber bestimmt nicht der letzte in der europäischen Vorgeschichte.
Neben anderen Methoden, die in der Archäologie zur Auswertung archäologischer Befunde eingesetzt werden, widmet das Buch ein wichtiges Kapitel der Radiokohlenstoffdatierung, die - bei kritischer Bewertung der Ergebnisse der Datierung sorgfältig ausgewählter Proben - grundlegende Informationen nicht nur über die Datierung selbst, sondern auch über die Grenzen archäologischer Quellen liefern kann.
Willkommen in der Welt der Rondellbauer, von denen uns fast 280 Generationen von Menschen trennen.