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Grand Duchess Elena Pavlovna, Princess Isabel and the Ending of Servile Labour in Russia and Brazil
Großfürstin Elena Pawlowna und Prinzessin Isabel waren zwei der bemerkenswertesten Frauen des neunzehnten Jahrhunderts; beide sind in der englischsprachigen Welt weitgehend unbekannt. Elena Pawlowna war eine deutsche Prinzessin aus dem Königreich Württemberg, die als Ehefrau des Großherzogs Michail, des Bruders der Zaren Alexander I. und Nikolaus I., ausgewählt wurde. Beide Frauen spielten eine wichtige Rolle in der Emanzipationspolitik in Russland im Jahr 1861 und in Brasilien im Jahr 1888. Wie bei vielen anderen Frauen wurde auch ihr politisches Wirken in der Geschichtsschreibung nur am Rande oder gar nicht berücksichtigt. In diesem Buch wird das politische Leben dieser beiden Frauen nachgezeichnet, das in zwei der bedeutendsten Emanzipationsbewegungen des neunzehnten Jahrhunderts gipfelte. Dabei werden die beiden Frauen in den Kontext ihrer Gesellschaften gestellt. Diese Gesellschaften waren im wahrsten Sinne des Wortes Untertanengesellschaften. Russland war mit über 40 Millionen Leibeigenen zum Zeitpunkt der Emanzipation die größte Leibeigenengesellschaft der Welt, während Brasilien die erste Sklavengesellschaft Amerikas war und die letzte, die ihre Sklaven befreite.
In dem Buch wird betont, dass die Befreiung der Leibeigenen in Russland und der Sklaven in Brasilien Teil der großen Emanzipationswelle war, die mit der Französischen Revolution begann. Als diese Welle schließlich abebbte, war die Leibeigenschaft aus den meisten Ländern der Welt verschwunden, darunter Frankreich (1789), Haiti (1793), Preußen (1807), das Britische Empire (1833), das Österreichische Kaiserreich (1848), das Russische Reich (1861), die Vereinigten Staaten (1865) und schließlich die Befreiung der Sklaven in Brasilien im Jahr 1888. Allzu oft wird die Emanzipation aus einer rein nationalen oder auf die englischsprachige Welt beschränkten Sichtweise betrachtet. Doch selbst aus dieser kurzen Aufzählung wird deutlich, dass die Emanzipation ein wirklich transnationales Phänomen war.
Das Buch wählt einen explizit vergleichenden Ansatz. Indem es die Emanzipation im russischen und brasilianischen Kaiserreich detailliert beschreibt, bietet dieses Buch ein breiteres Verständnis dieses Prozesses und zeigt, was sie gemeinsam hatten und was sie unterschied. Beide Reiche waren Monarchien, in denen die Kaiser nicht nur regierten, sondern auch herrschten, beide schlossen Frauen von jeder politischen Rolle aus und beide waren Untertanengesellschaften. Ohne die Bedeutung des Freiheitskampfes der Unterdrückten selbst oder die Auswirkungen wirtschaftlicher Veränderungen zu leugnen, stellt dieses Buch die hohe Politik als wesentlichen Bestandteil der Emanzipation in den Vordergrund. Monarchie, Geschlechterrollen und Emanzipation konvergierten in den Personen der Großfürstin Elena Pawlowna und der Prinzessin Isabel in einer Weise, die den Verlauf und die Form der Emanzipation entscheidend beeinflusste.