
Guerrilla Theory: Political Concepts, Critical Digital Humanities
Guerilla Theory untersucht die politischen, ontologischen und technologischen Grundlagen der Guerilla in den Digital Humanities (DH). Die Figur der Guerilla taucht in der jüngeren Geschichte der digitalen Geisteswissenschaften als Akteur einer taktischen Reformation auf. Sie bezieht sich auf ein breites Spektrum disziplinärer Wünsche: den Anspruch der digitalen Geisteswissenschaften auf kollaborative und inklusive Pädagogik, minimale und verschlüsselte Datenverarbeitung und eine Vielzahl minoritärer politischer Interventionen in ihrer Praxis, einschließlich Queer Politics, Critical Race Studies und feministischer Theorie.
Matthew Applegate verwendet in seiner Studie den Begriff der Guerilla, um populäre Iterationen der digitalen Geisteswissenschaften mit ihrer politischen Rhetorik und Infrastruktur zu verbinden. Auf diese Weise richtet er das konzeptionelle Lexikon der DH neu auf Praktiken des kollektiven Werdens aus, die durch den Anspruch auf Konflikt, Antagonismus und demokratischen Willen vermittelt werden.
Applegate zeichnet die radikaldemokratischen Eingriffe von Michael Hardt und Antonio Negri in die Netzwerktheorie, die Rolle der Guerilla in ihrem Diskurs und die Bedenken hinsichtlich der eigenen Berufung der digitalen Geisteswissenschaften auf diese Figur nach. Das Buch verbindet auch post- und dekoloniale, feministische und marxistische Iterationen der DH-Praxis mit der ästhetischen Geschichte von Bewegungen wie dem lateinamerikanischen Third Cinema und dem Dokumentarkino der Black Panther Party. Die Guerilla-Theorie schließt mit einer Betrachtung der zeitgenössischen politischen Modalitäten, die der disziplinären Ausweitung der DH inhärent sind, und stellt die gegenwärtige politische Reichweite der digitalen Geisteswissenschaften und damit ihren zukünftigen institutionellen Einfluss in Frage.