
Acts of Interpretation
Antike Autoren diskutierten über verbale und nonverbale Zeichen als Repräsentationen der Gottheit.
Dieses Verständnis von Zeichen beruhte auf Vorstellungen, die aus der Sprache abgeleitet wurden, und war daher aufgrund ihres unvollständigen Verständnisses der Multifunktionalität von Zeichen begrenzt. Die Semiotik von Charles S.
Peirce, die von anthropologischen Linguisten wie Michael Silverstein adaptiert wurde, erklärt besser die kontextuellen Verknüpfungen („Performativität“) alter religiöser Zeichen wie göttlicher Namen. Die Bedeutung von Zeichen hängt immer von Interpretationsprozessen ab und ist immer offen für Neuinterpretationen. Die Fokussierung auf diese Prozesse ermöglicht eine detailliertere Analyse der antiken Zeugnisse.
Als Beispiele dienen die verbale und nonverbale Gottesrepräsentation der alten Israeliten, das sprachliche Brief/Geist-Modell des Apostels Paulus, die christlichen Debatten über die Grenzen der Sprache zur bestmöglichen Repräsentation der Gottheit, Josephus' anikonische Werbung für jüdische Riten, die vielschichtigen göttlichen Repräsentationen in der Synagoge von Dura-Europos, die vielfältige „Performativität“ der jüdischen Aufstiegsliturgien und - als einziges modernes Beispiel - die Rolle der Kunst beim Burning Man. Die göttliche Darstellung ist die Grundlage für die rituelle Wirksamkeit, auch wenn die Bedeutung der Zeichen eine ständige Quelle der Auseinandersetzung ist.