
Hate and Enmity in Biblical Law
Feindschaft zwischen Individuen war in der antiken Welt ein allgegenwärtiges Phänomen. Mit Hilfe der Methode der Rechtsanthropologie untersucht dieses Buch die Muster hassgetriebener Fehden in verwandtschaftlichen und segmentären Gesellschaften und wendet diese Erkenntnisse auf das biblische Recht an. Es definiert die grundlegenden Kategorien von Feindschaft, Liebe, Rache, Ehre und Schande im Kontext von Fehden und veranschaulicht bestimmte rechtliche Handlungen, wie z. B. falsches Zeugnis abzulegen, und zeigt, wie sie Ausdruck hasserfüllter Beziehungen sind.
Adam schlägt vor, Hass zwischen Individuen als ein rechtliches Konstrukt zu verstehen, das sichtbar wird, wenn es als private Feindschaft ausgelebt wird, ein sozialer Status, der deutliche Merkmale aufweist. In auf Verwandtschaft basierenden Gesellschaften wurde privater Hass/Feindschaft öffentlich erklärt und war folglich in der eigenen Verwandtschaft und darüber hinaus öffentlich bekannt. Die private Feindschaft wurde in fehdeähnlichen Mustern ausgelebt, wobei die Gegner flexibel zwischen verschiedenen Maßnahmen wählen konnten, um ihren Gegner zu verletzen. Das Ausleben des Hasses beruhte auf Gegenseitigkeit und eskalierte in der Regel und weitete sich schnell auf den Versuch einer Partei aus, die andere zu töten und eine Blutfehde auszulösen. Schließlich war die private Feindschaft "transitiv" in dem Sinne, dass verfeindete Gegner natürlich Solidarität von Verwandten und Freunden erwarteten.
Adam veranschaulicht anhand von Textanalysen, wie das rechtliche Konstrukt des Hasses das biblische Recht vom Bundesgesetzbuch über die deuteronomische und priesterliche Gesetzgebung bis hin zum Heiligkeitsgesetzbuch prägt. Er zeigt auch, wie Hass den Hintergrund für die Beilegung von Konflikten bildet. Durch die Rückverfolgung der Kategorie des privaten Hasses und der Feindschaft entschlüsselt dieses Buch schließlich die Bedeutung des zentralen Gebots "Liebe deinen Nächsten! ".