
Holy Sobriety in Modern Russia: A Faith Healer and His Followers
Auf der Grundlage zahlreicher Archive und Primärquellen, darunter Akten der Geheimpolizei und Samizdat, rekonstruiert "Heilige Nüchternheit im modernen Russland" die Geschichte einer spirituellen Bewegung, die die Verfolgung durch die orthodoxe Kirche und den jahrzehntelangen offiziellen Atheismus überlebt hat und noch heute existiert. Seit 1894 haben Zehntausende von Russen durch die Lehren und Gebete des charismatischen Laienpredigers und Heilers Bruder Ioann Churikov (1861-1933) Hoffnung und Glauben gefunden. Inspiriert durch Churikovs tiefe Frömmigkeit, seine "wundersamen" Heilungsfähigkeiten und seine auf der Heiligen Schrift basierende Philosophie, die als heilige Nüchternheit bekannt ist, haben die "Trezvenniki" - oder "Nüchternen" - ihr Leben von den Auswirkungen von Alkoholismus, Arbeitslosigkeit, häuslichem Missbrauch und Krankheit befreit.
Page Herrlinger untersucht die gelebte religiöse Erfahrung und die behördliche Unterdrückung dieser hauptsächlich aus der Arbeiterklasse stammenden Gemeinschaft im Laufe des turbulenten zwanzigsten Jahrhunderts in Russland, wobei er die traditionelle Kluft zwischen religiösen und säkularen Studien über Russland und die Sowjetunion überwindet - und in Frage stellt - und bisher ungesehene Muster des Wandels und der Kontinuität zwischen der zaristischen und der sozialistischen Vergangenheit Russlands aufzeigt. Diese Basis-Glaubensgemeinschaft ist eine ideale Fallstudie, um die Muster der spirituellen Suche und der religiösen Toleranz sowohl unter der zaristischen als auch unter der sowjetischen Herrschaft zu erforschen, und bietet einen tieferen Kontext für die heutigen Diskussionen über die Beziehung zwischen russischer Orthodoxie und nationaler Identität.
Heilige Nüchternheit im modernen Russland ist eine Geschichte der Resilienz, der Neuerfindung und des Widerstands. Herrlingers Analyse versucht, diese unorthodoxen Gläubigen als aktive Akteure zu verstehen, die ihr vermeintliches Recht auf ein Leben nach ihren Überzeugungen ausüben, sowohl als Individuen als auch als Gemeinschaft.