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Hitler's Generals on Trial: The Last War Crimes Tribunal at Nuremberg
Durch die Verfolgung von Kriegsverbrechen wollten die Nürnberger Prozesse die Westdeutschen über ihre verbrecherische Vergangenheit aufklären, ihre völlige Ablehnung des Nationalsozialismus hervorrufen und sie zur Demokratie bekehren. Mehr als alle anderen Nürnberger Verfahren verfolgte der Prozess gegen vierzehn Generäle Hitlers diese Ziele, denn die Anklagepunkte - die Ermordung von Kriegsgefangenen, die Terrorisierung der Zivilbevölkerung, die Vernichtung der Juden - betrafen auch die 20 Millionen einfachen Deutschen, die im Militär gedient hatten. Dieser Prozess war der wahre Test für das Potenzial Nürnbergs, eine nationale Reflexion über die Nazi-Verbrechen anzuregen.
Trotz seiner Bedeutung wurde der Fall des Oberkommandos von Historikern weitgehend vernachlässigt. Valerie H erts Studie - das einzige Buch in englischer Sprache zu diesem Thema - stützt sich umfassend auf die umfangreichen Prozessakten, um dieses Verfahren vollständig zu rekonstruieren: die Strategien der Anklage und der Verteidigung, die Beweise für und gegen die Angeklagten und das Militär im Allgemeinen, die Feinheiten des Urteils und die aufgeworfenen komplexen rechtlichen Fragen, wie die Verteidigung höherer Befehle, militärische Notwendigkeit und Befehlsverantwortung. Sie untersucht auch die westdeutsche Reaktion auf den Prozess und die intensive Debatte über seine Fairness und Legitimität, die durch die Verurteilung von Soldaten ausgelöst wurde, die in den Augen der Öffentlichkeit ihr Land ehrenhaft verteidigt hatten.
H bert argumentiert, dass der Prozess gegen das Oberkommando an sich ein Erfolg war, da er elf Schuldsprüche und eine unwiderlegbare Aufzeichnung der Verbrechen des deutschen Militärs hervorbrachte. Mit Blick über den Gerichtssaal hinaus stellt sie jedoch auch fest, dass der Prozess keinen nachhaltigen Eindruck im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit hinterlassen hat. Und weil die USA bestrebt waren, Westdeutschland als Verbündeten im Kalten Krieg zu gewinnen, stimmten amerikanische Beamte schließlich Bewährungs- und Begnadigungsprogrammen für alle verurteilten Offiziere zu, so dass Ende der 1950er Jahre kein einziger mehr inhaftiert war.
Hervorragend recherchiert und tadellos erzählt, befasst sich Hitlers Generäle vor Gericht mit grundlegenden Fragen über die Bedeutung von Gerechtigkeit nach Gräueltaten und Völkermord, die moralische Notwendigkeit der Bestrafung dieser Verbrechen, die Verbindung zwischen Gerechtigkeit und Erinnerung und die Bedeutung der Nürnberger Prozesse für heutige Prozesse der Übergangsjustiz. Da diese Prozesse das Vokabular des modernen Völkerstrafrechts prägten und eine Agenda für die Übergangsjustiz aufstellten, die bis heute Bestand hat, stellt das Buch von H ert einen wichtigen Beitrag zur Militär- und Rechtsgeschichte dar.