
Hormones and Reality: Epigenetic Regulation of the Endocrine System
Der zellulär-molekulare Ansatz der Evolution hat zu radikalen Veränderungen in unserem Verständnis der biologischen Prinzipien geführt, die von der Zelle über den Lebenszyklus, die Entwicklung, die Homöostase, die Seneszenz/Alterung, die Heterochronie, die Pleiotropie und den Phänotyp bis hin zum Sinn des Lebens selbst reichen. Ein Großteil dieser neuen Denkweise über Biologie und Medizin geht auf den experimentellen Nachweis der epigenetischen Vererbung zurück. Dies wirft die Frage auf, ob unser einzelliger Zustand tatsächlich die primäre Ebene der Selektion ist.
Ein bestimmtes System, das heute als unter der Schirmherrschaft der epigenetischen Vererbung stehend anerkannt ist, ist das endokrine System, von dem man üblicherweise annimmt, dass es die physiologische Homöostase reguliert. Da jedoch die Sexualhormone eine so große Rolle bei Verhaltensweisen spielen, die mit dem Erwerb epigenetischer Daten und der Verarbeitung dieser epigenetischen Daten durch die Keimdrüsen während der Meiose zusammenhängen, wird ihre Rolle in der Evolution des Organismus nachvollziehbar. Die Gesamtheit der Aktivitäten des Individuums im Laufe seines Lebens kann nun kausal verstanden werden und ist das Ergebnis der Steuerung seiner Physiologie durch Hormone in der Pränatalzeit, in der Postnatalzeit und während des Alterungsprozesses über die gesamte Lebensspanne des Organismus. Bestimmte Verhaltensweisen im Laufe des Lebenszyklus während der Kindheit, der Jugend, der Pubertät, des Erwachsenenalters und des Alterns können nun mechanistisch und nicht nur als Meilensteine in den verschiedenen Lebensabschnitten verstanden werden.
Vor dem Hintergrund der oben genannten Überlegungen stellt dieses Buch die zellulär-evolutionäre Perspektive auf die Beziehung des Organismus zu seiner Umgebung dar, die sowohl menschlich als auch nicht-menschlich ist und die Biologie und Medizin zu einem Kontinuum macht, anstatt zu fragmentierten, unzusammenhängenden Anekdoten.