
Ideology and the Rationality of Domination: Nazi Germanization Policies in Poland
Nach dem brutalen Einmarsch und der Besetzung Polens setzten die Nazis eines ihrer wichtigsten ideologischen Ziele, die Ausweitung des deutschen Lebensraums, rasch in die Tat um: Deportation der Juden, Ansiedlung deutscher Siedler und Unterwerfung der übrigen Bevölkerung durch ein Selektionsverfahren, das die Polen von den ethnischen Deutschen trennen sollte. So einfach dies zunächst schien, so sehr gerieten die verschiedenen Teile der deutschen Besatzungsmaschinerie bald in einen erbitterten Kampf um das Wesen des Deutschseins und die Frage, wie ein Deutscher zu identifizieren sei.
Gerhard Wolf zeigt eine erstaunliche Entwicklung auf, bei der ein eher inklusives Verständnis des Deutschtums, das auf einem traditionelleren Begriff des Volkes beruhte, schließlich gegen ein auf Rasse basierendes und viel exklusiveres Verständnis gewann. Dies hatte wichtige Auswirkungen, wie Wolf zeigen kann, denn es ebnete den Weg für die Umwandlung von rund drei Millionen Polen in deutsche Staatsbürger.
Parallel zur Massendeportation und zum Massenmord an den christlichen Polen und zum Völkermord an den jüdischen Polen leiteten die Nazis damit paradoxerweise auch das größte (Zwangs-)Assimilationsprogramm der deutschen Geschichte. Studenten und Wissenschaftler, die sich mit der polnischen Besatzung, dem Holocaust und dem Nationalsozialismus beschäftigen, finden in diesem wichtigen Buch eine neue Analyse des deutschen Imperialismus, der ethnischen Säuberung und des Völkermords.