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Reconsidering Intellectual Disability: L'Arche, Medical Ethics, and Christian Friendship
Anhand des umstrittenen Falls von "Ashley X", einem Mädchen mit schweren Entwicklungsstörungen, das einer medizinischen Behandlung unterzogen wurde, um ihr Wachstum einzuschränken und ihren Körper für immer klein zu halten - ein Verfahren, das heute als "Ashley-Behandlung" bekannt ist -, untersucht Reconsidering Intellectual Disability wichtige Fragen an der Schnittstelle von Behinderungstheorie, christlicher Moraltheologie und Bioethik.
Wo liegen die biomedizinischen Grenzen einer akzeptablen Behandlung für Menschen, die nicht in der Lage sind, eine informierte Zustimmung zu geben? Wer darf entscheiden, wenn ein Patient seine Wünsche und Bedürfnisse nicht mitteilen kann? Sollten wir die Vorherrschaft einer Medizin akzeptieren, die Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen als pathologische Objekte identifiziert, die der normalisierenden Körpermanipulationen der technischen Medizin bedürfen?
In einer kritischen Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen Behindertentheorie vertritt Jason Reimer Greig die Ansicht, dass L'Arche, ein Zusammenschluss von Glaubensgemeinschaften, die sich aus Menschen mit und ohne geistige Behinderung zusammensetzen, eine alternative Antwort auf die vorherrschende bioethische Weltsicht bietet, die Behinderung als ein zu lösendes Problem betrachtet. Reconsidering Intellectual Disability zeigt, wie eine Konzentration auf das moralische Denken der christlich-theologischen Tradition und die Praxis der Freundschaft mit Gott einen Weg bietet, nicht nur Menschen mit geistiger Behinderung, sondern alle Menschen vom objektivierenden Blick der modernen Medizin zu befreien. Die L'Arche lässt sich von der Solidarität Jesu mit den "Geringsten" inspirieren und verpflichtet sich zu einer christlichen Freundschaft, die Menschen mit schwerwiegenden kognitiven Behinderungen nicht als anomale Objekte des Mitleids, sondern als Freunde Gottes sieht. Dieser lebenswichtige Akt der sozialen Anerkennung öffnet den Weg zum Verständnis der Behinderten nicht als Objekte, die man fixieren muss, sondern als Lehrer, deren Leben andere verwandeln und eine neue Art des Menschseins eröffnen kann.