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Irenaeus and Genesis: A Study of Competition in Early Christian Hermeneutics
Irenäus, der Bischof von Lyon aus dem zweiten Jahrhundert, hat die Kirche so sehr geprägt, dass er manchmal als der "Gründervater" der Theologie angesehen wird.
Schließlich gehören zu seinem Vermächtnis theologische Meilensteine wie die regula fidei (oder "Glaubensregel") und die Lehre von der Rekapitulation. Auch wenn diese nicht heruntergespielt werden sollten, können wir eine neue Wertschätzung für diesen frühen Bischof gewinnen, indem wir eine noch zentralere Facette seines Werks hervorheben: die besondere Form der Hermeneutik, die seine Lesart der heiligen Texte als christliche Schrift leitet.
Im zeitgenössischen Klima der Theologie des einundzwanzigsten Jahrhunderts weist die Wiedereröffnung von Fragen der Macht, der Wahrheit, der Authentizität und des Holismus auf eine Kritik des hermeneutischen Prozesses (nicht nur des theologischen Endprodukts) hin. Zur Zeit des Irenäus boten gnostische Christen am Rande der Kirche eine Vision des Telos des Glaubens an, die viele überzeugend fanden. Um auf diese Herausforderung zu reagieren, musste Irenäus eine noch befriedigendere christliche Theologie und Anthropologie auf der Grundlage der Heiligen Schrift und der überlieferten apostolischen Tradition formulieren.
In diesem Kampf der Hermeneutik betrachteten beide Seiten protologische Texte wie Genesis 1,26 und 2,7 als unverzichtbar. Durch eine wohlwollende Lektüre von Irenäus und seinen Konkurrenten wollen wir besser verstehen, warum Irenäus' Bibelauslegungen innerhalb der Hauptströmung der Kirche letztlich als plausibler, treuer und fruchtbarer angesehen wurden.