
Seasons in the Literatures of the Medieval North
Für die Kulturen des mittelalterlichen Nordwesteuropas war der Wechsel der Jahreszeiten eine materielle und wirtschaftliche Realität, die den Arbeits-, Reise- und Ritualkalender stark beeinflusste. Während jedoch die Wechselwirkung zwischen der Gesellschaft und ihrer physischen Umgebung, wie sie sich in der mittelalterlichen Literatur widerspiegelt, vielfach erforscht wurde, ist der jahreszeitliche Aspekt dieser Dynamik bisher vernachlässigt worden.
In diesem Buch werden die narrativen und psychologischen Funktionen der Jahreszeiten in der Literatur des mittelalterlichen Englands und Islands vom achten bis zum vierzehnten Jahrhundert analysiert, von Beowulf bis Sir Gawain und der Grüne Ritter. Es befasst sich sowohl mit den materiellen Realitäten als auch mit den figurativen Funktionen des Jahreszeitenzyklus und interpretiert jahreszeitliche Räume in Mythos und Literatur als konventionalisierte Umgebungen, in denen sich die Gesellschaft mit äußeren Bedrohungen und Mächten auseinandersetzt, die sich in Randlandschaften manifestieren. Indem er seine literarischen Untersuchungen mit relevanten Anliegen aus der Wirtschaftsgeschichte, der patristischen Lehre und der Entscheidungstheorie verbindet, bietet der Band einen umfassenden neuen Blick auf die Psychologie der Landschaft und der Jahreszeiten in der mittelalterlichen Literatur; er bringt auch den Glauben an die Jahreszeiten und ihre Verbindungen mit dem Übernatürlichen ans Licht.
Paul S. Langeslag ist Dozent für mittelalterliche Anglistik an der Universität G ttingen.