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Jan Hus: The Life and Death of a Preacher
Jan Hus war ein spätmittelalterlicher tschechischer Universitätslehrer und beliebter Prediger, der auf dem Konzil von Konstanz verurteilt und 1415 als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Dank seines zeitgenössischen Einflusses und seiner posthumen Berühmtheit in der hussitischen Bewegung und darüber hinaus ist Hus zu einer der bekanntesten Figuren der tschechischen Vergangenheit und zu einem der bedeutendsten Reformer des mittelalterlichen Europas insgesamt geworden.
Diese endgültige Biografie, die jetzt auf Englisch vorliegt, wendet sich gegen die Sichtweise auf Hus, die seine Bedeutung in erster Linie als Märtyrer sah, der später von einer Vielzahl religiöser, nationaler und politischer Gruppen beschworen wurde, die sich sein Erbe aneignen wollten. Auf der Suche nach der Bedeutung von Hus in seiner eigenen Zeit erzählt diese Arbeit die Geschichte eines spätmittelalterlichen Intellektuellen, der durch sein engagiertes Streben nach dem, was er als seine Mission verstand, Konflikte auslöste und schließlich seine eigene Hinrichtung herbeiführte. Durch die Untersuchung des Lebens und des Todes von Jan Hus erfährt man nicht nur etwas über den Menschen, sondern auch über die Kirche, den Staat und die Gesellschaft im spätmittelalterlichen Europa.
Die Geschichte, die in diesem Buch erzählt wird, ist in Aufbau und Zielsetzung originell. Jedes Kapitel nimmt ein wichtiges Ereignis in Hus' Leben als Ausgangspunkt für eine umfassendere Erörterung entscheidender Probleme im Zusammenhang mit seinem Werdegang und den von ihm ausgelösten Kontroversen. Wie haben diese spezifischen Ereignisse zu Hus' eigenen Überzeugungen beigetragen? Durch das Aufzeigen von Parallelen und Abweichungen zu anderen spätmittelalterlichen Persönlichkeiten und Ereignissen in Europa befreit das Buch Hus von einer engstirnigen und nationalistischen tschechischen Geschichtsschreibung und stellt ihn in einen breiteren europäischen Kontext, indem es eine Bedeutung aufzeigt, die über die tschechischen Grenzen hinausgeht. Aus verschiedenen Blickwinkeln wirft es eine zentrale Frage auf, die für das Verständnis des späteren Mittelalters von entscheidender Bedeutung ist: Warum wurde ein aufrichtiger Kirchenreformer von einem Kirchenkonzil verurteilt, das sich selbst der Reform verschrieben hatte?