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Joseph Beuys ist einer der bedeutendsten und umstrittensten deutschen Künstler des späten 20. Jahrhunderts, ein Künstler, dessen Person und Kunst so eng mit der faschistischen Vergangenheit Deutschlands verwoben ist - Beuys war immerhin ein ehemaliger Soldat im Dritten Reich -, dass er für das Nachkriegs- und Wiedervereinigungsdeutschland eine problematische Figur darstellt.
Indem es die zentrale Bedeutung des Traumas und die nachhaltige Auseinandersetzung mit dem Kunstbegriff als die beiden bestimmenden Fäden in Beuys' Leben und Kunst beleuchtet, bietet dieses Buch eine kritische Biografie, die unser Verständnis für seine zahlreichen Werke und deren Beitrag vertieft. Claudia Mesch analysiert die Aspekte von Beuys' Werken, die das Publikum am meisten beleidigt haben, insbesondere die selbstgesponnene Legende von der Erlösung, die viele als eine zweifelhafte und unangemessene Fantasie für einen ehemaligen Nazi-Soldaten empfunden haben. Sie argumentiert jedoch, dass Beuys' Selbstmythologie das posttraumatische Leben frontal konfrontierte und den Kampf um psychische Genesung in den Vordergrund stellte.
Anhand von Beuys' Ausstellungen in den 1970er Jahren zeichnet sie nach, wie er die Kunstwelt über die etablierten regionalen Zentren hinaus erweiterte und den Weg für zukünftige Künstler ebnete, die sich für Aktivismus als Kunst interessierten. Indem sie Beuys' weitreichende Vorstellungen von Kunst erforscht und ihm in die Bereiche von Wissenschaft, Politik und Spiritualität folgt, zeigt Mesch schließlich, wie seine eigene Mythenbildung als positive Kraft in der deutschen Nachkriegsbewältigung wirkte.