
Kafka's Zoopoetics: Beyond the Human-Animal Barrier
Nicht-menschliche Figuren sind im Werk von Franz Kafka allgegenwärtig, von seinen frühen Erzählungen bis hin zu seiner allerletzten. Trotz ihrer herausragenden Stellung in seinem gesamten Werk wurden Kafkas Tierdarstellungen in erster Linie als bloße Allegorien innermenschlicher Angelegenheiten betrachtet.
In den letzten Jahren wurde die Allegorisierung von Kafkas Tieren von Kafka-Kommentatoren poetisch abgetan und von posthumanistischen Wissenschaftlern politisch abgelehnt. Eine solche Kritik hat jedoch bisher weder zu einer übergreifenden noch zu einer interdiskursiven Darstellung geführt. Das vorliegende Buch versucht, diese Lücke zu schließen.
Indem es die Tiergeschichten als ein eigenständiges und bedeutendes Korpus innerhalb von Kafkas gesamter Poetik betrachtet und sie im Dialog mit literaturwissenschaftlichen und posthumanistischen Analysen genau untersucht, nimmt Kafkas Zoopoetik die Tierwelt, die Beziehungen zwischen den Arten und den Gegensatz zwischen Mensch und Tier in den Schriften Franz Kafkas kritisch unter die Lupe. Kafkas Tiere stehen typischerweise an der Schwelle zwischen Mensch und Tier, indem sie menschliche und nichtmenschliche Züge miteinander verschmelzen.
Unter seinen Grenzgängern finden wir einen Menschen, der sich in Ungeziefer verwandelt (in "Die Verwandlung"), einen Affen, der sich in einen Menschen verwandelt (in "Ein Bericht an eine Akademie"), sprechende Schakale (in "Schakale und Araber"), einen philosophischen Hund (in "Forschungen eines Hundes"), ein nachdenkliches maulwurfsähnliches Wesen (in "Die Höhle") und ununterscheidbare Wesen (in "Josefine, die Sängerin oder die Mäuseleute"). Indem er die Grenzen zwischen den Arten als veränderlich und undurchsichtig darstellt, schafft Kafka einen fließenden Raum zwischen Mensch und Tier, den man als "humanimal" bezeichnen kann. Die Konstituierung eines menschlich-tierischen Raums untergräbt radikal die vom anthropozentrischen Paradigma diktierte strenge Grenze zwischen Mensch und anderen Tieren.
Durch die Leugnung tierischer Elemente im Menschen und die Verleugnung der Handlungsfähigkeit nicht-menschlicher Tiere, durch ihren Ausschluss aus dem sozialen Leben und die Neutralisierung des Mitgefühls für sie wurde diese Barriere so gestaltet, dass sie sowohl die Menschlichkeit als auch die Animalität reguliert. Die Kontextualisierung von Kafkas Tieren innerhalb der posthumanistischen Theorie schafft eine post-anthropozentrische Arena, die gleichzeitig imaginär und sehr real ist.