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Emperors and Usurpers in the Later Roman Empire: Civil War, Panegyric, and the Construction of Legitimacy
Eine der großen Maximen der Geschichte lautet, dass sie von den Siegern geschrieben wird, und nirgendwo findet dies größere Bestätigung als im späteren Römischen Reich. Zwischen 284 und 395 n.
Chr. beanspruchten nicht weniger als 37 Männer die kaiserliche Macht, obwohl wir heute kaum die Hälfte dieser Männer als "legitime" Herrscher anerkennen und mehr als zwei Drittel durch die Hand ihrer Untertanen starben. Sobald ein neuer Herrscher an der Macht war, musste er sich öffentlich legitimieren und seinen Vorgänger in Misskredit bringen: Offene Kritik am neuen Regime wurde zum Hochverrat, so dass Historiker aus Angst vor Repressalien ihre Berichte unterdrückten und die Namen der besiegten Kaiser aus öffentlichen Inschriften gestrichen und aus den offiziellen Aufzeichnungen gelöscht wurden.
Wie können wir in einer derart chaotischen Zeit überhaupt hoffen, die Geschichte des römischen Staates auf faire und objektive Weise aufzeichnen zu können? Emperors and Usurpers in the Later Roman Empire ist die erste Geschichte des Bürgerkriegs im späteren Römischen Reich, die in englischer Sprache verfasst wurde.
Sie zielt darauf ab, diese Frage zu beantworten, indem sie sich auf die verschiedenen Wege konzentriert, auf denen aufeinanderfolgende kaiserliche Dynastien versuchten, sich selbst zu legitimieren und der Bedrohung durch fast ständige interne Anfechtungen ihrer Herrschaft zu begegnen. Insbesondere die Panegyrik erweist sich als entscheidendes Instrument zum Verständnis der sich rasch verändernden politischen Welt des dritten und vierten Jahrhunderts, da sie direkte Belege dafür liefert, wie die Kaiser im Gefolge von Bürgerkriegen versuchten, ihre Legitimität zu veröffentlichen und ihre Feinde zu delegitimieren. Auch das Zeremoniell und die Redekunst an den kaiserlichen Höfen waren von großer Bedeutung: Sie wurden aggressiv eingesetzt, um die Ereignisse der jüngsten Bürgerkriege zu dramatisieren und immer wieder in Erinnerung zu rufen.
Die Erzählungen, die der Hof in diesem Zusammenhang produzierte, hatten auch einen enormen Einfluss auf die Botschaften und Erzählungen, die in zeitgenössischen historischen Texten zu finden sind. Mit seiner Untersuchung der Art und Weise, wie die aufeinanderfolgenden kaiserlichen Höfe mit ihren Untertanen zu kommunizieren versuchten, bietet dieser Band eine durch und durch originelle Neubearbeitung der spätrömischen Innenpolitik und zeigt nicht nur, wie Geschichte ausgelöscht, umgeschrieben und umfunktioniert werden konnte, sondern auch, wie Bürgerkrieg und sogar Usurpation für das spätere Reich endemisch wurden.