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Imperial Bedlam: Institutions of Madness in Colonial Southwest Nigeria Volume 10
Die Kolonialregierung von Südnigeria begann 1906 damit, angeblich geisteskranke Menschen in Asylen unterzubringen. Diese Anstalten wurden von den Briten verwaltet und hielten Afrikaner gefangen. Doch wie selbst viele in der Regierung erkannten, ist Geisteskrankheit ein Zustand, der kulturelle Unterschiede aufweist. Wer entschied, ob die Insassen geisteskrank waren und wie? Diese anspruchsvolle historische Studie geht diesen Fragen nach, indem sie faszinierendes Quellenmaterial - Schriften afrikanischer Patienten in diesen Einrichtungen und die Berichte von Beamten, Ärzten und anderen - untersucht, um die Bedeutung des Wahnsinns in Nigeria, die Entwicklung der kolonialen Psychiatrie und die Verbindungen zwischen beiden zu erörtern. Jonathan Sadowskys gut argumentierte, prägnante Studie liefert wichtige neue Erkenntnisse über die Bezeichnung des Wahnsinns über kulturelle und politische Grenzen hinweg.
Imperial Bedlam verfolgt die Entwicklung der Irrenanstalten von ihren Ursprüngen im 19. Jahrhundert bis hin zu innovativen Behandlungsprogrammen, die von nigerianischen Ärzten während des Übergangs zur Unabhängigkeit entwickelt wurden. Besondere Aufmerksamkeit wird den Schriften derjenigen gewidmet, die als "Verrückte" galten - eine Perspektive, die in früheren Studien über psychiatrische Einrichtungen in Afrika und den meisten anderen Teilen der Welt relativ vernachlässigt wurde.
Imperial Bedlam zeigt, wie die dem Kolonialismus innewohnenden Widersprüche sowohl in der Asylpolitik als auch in der psychiatrischen Theorie artikuliert wurden. Es wird argumentiert, dass die Prozesse der Einweisung, die Etikettierung des Wahnsinns und die Symptome der so Etikettierten nicht nur kulturelle Unterschiede, sondern auch die in die koloniale Situation eingebetteten politischen Gräben widerspiegeln. Imperial Bedlam betont daher nicht nur den kulturellen Hintergrund des Wahnsinns, sondern auch dessen politische und erfahrungsbezogene Dimensionen.