Bewertung:

Das Buch bietet einen tiefen Einblick in die weniger bekannten Aspekte des frühen Christentums und untersucht sowohl seine Helden als auch seine Schurken. Es bietet eine herausfordernde, aber lohnende Erkundung der Komplexität des frühchristlichen Glaubens und des Konzepts der Häresie und lädt die Leser letztlich dazu ein, die traditionellen Erzählungen der christlichen Orthodoxie zu überdenken.
Vorteile:Das Buch bietet einen wissenschaftlichen Einblick und behandelt verschiedene christliche Gruppen fair, stellt traditionelle Ansichten in Frage, regt zum Nachdenken an, beleuchtet die Rolle der Häretiker und ihren Einfluss auf den christlichen Glauben, enthält wertvolle Diskussionen über die Auswahl und Urheberschaft neutestamentlicher Texte und bietet ein eindrucksvolles Nachwort.
Nachteile:Das Buch enthält manchmal schwerfällige Prosa, da es aus dem Deutschen übersetzt wurde, und könnte aufgrund seiner kritischen Sicht auf die Kirchengeschichte für etablierte Christen unangenehm sein, und die Komplexität der Themen könnte einige Leser überfordern.
(basierend auf 3 Leserbewertungen)
Heretics: The Other Side of Early Christianity
Nach der offiziellen, fast zweitausend Jahre lang vertretenen Auffassung war das frühe Christentum von großer Harmonie geprägt, und die Häresie trat erst in einer späteren Phase auf.
Dieses Buch, das in einfacher Sprache für interessierte Nicht-Theologen geschrieben ist, zeigt, dass ein solches Bild Wunschdenken ist. Unter Verwendung aller verfügbaren Quellen, einschließlich neu entdeckter gnostischer Texte, argumentiert Professor Lüdemann, dass die „Häresie“ in vielen Bereichen tatsächlich der „Orthodoxie“ vorausging und später gewaltsam durch sie ersetzt wurde.
Die Kontroversen werfen ein interessantes Licht auf den menschlichen Charakter und die Sorgen der ersten Christen, die nicht nur mit dem richtigen Glauben, sondern auch mit der Macht beschäftigt waren. Das erste Kapitel untersucht die Positionen der Christen in Jerusalem in den ersten beiden Jahrhunderten, da sie es waren, die den Begriff der Häresie in die Kirche einführten, und widmet der Revision des Paulusbildes und seiner Theologie besondere Aufmerksamkeit. Anschließend werden die dramatischen Ereignisse rund um Marcion und seinen Ansatz für einen biblischen Kanon behandelt.
Drittens untersucht er die Konflikte, die den johanneischen Schriften, der Entstehung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses und der Bildung des neutestamentlichen Kanons zugrunde liegen. Professor Lüdemann argumentiert, dass seine Erkenntnisse wichtige und befreiende Konsequenzen für das Verständnis des Christentums und der Bibel haben.