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Cinematic TV: Serial Drama Goes to the Movies
Jahrzehntelang galt das Fernsehen im Vergleich zum Kino als kulturell mangelhaft, da sich die kommunikations- und sozialwissenschaftlichen Analysen in erster Linie auf die negativen Auswirkungen des Fernsehens auf die Verbraucher konzentrierten. In jüngerer Zeit ist die Verunglimpfung jedoch weitgehend durch eine ernsthafte kritische Betrachtung dessen ersetzt worden, was das Fernsehen in der Post-Netz-Ära darstellt.
Einst als Medienwüste verspottet, wird das Fernsehen heute für seine visuelle Dichte und Komplexität gelobt. In den letzten zwei Jahrzehnten haben Medienwissenschaftler oft behauptet, das Fernsehen sei zum Kino geworden. Vor allem Serien werden für ihre Nachahmung der formal innovativen und erzählerisch anspruchsvollen Konventionen des Kinos gelobt.
Aber was genau bedeutet "Kinofernsehen"? In Cinematic TV geht die Autorin Rashna Wadia Richards dieser Frage umfassend nach und argumentiert, dass TV-Dramen das (vor allem) amerikanische Kino auf vielfältige Weise und zu unterschiedlichen Zwecken zitieren, kopieren und sich aneignen.
Durch die Kombination von Intertextualität und Gedächtnisforschung schafft Cinematic TV einen innovativen theoretischen Rahmen und konzentriert sich auf vier Modalitäten intermedialer Anleihen: Hommage, Evokation, Genre und Parodie. Anhand exemplarischer Serien wie Stranger Things, Mad Men, Damages und Dear White People zeigt das Buch, wie Seriendramen das Kino reproduzieren und überarbeiten, untergraben und vergöttern und in einigen Fällen mit ihm konkurrieren und es übertreffen.