
Classical Sanskrit Tragedy: The Concept of Suffering and Pathos in Medieval India
Oft wird angenommen, dass sich die klassische Sanskrit-Dichtung und das Drama nicht mit dem Tragischen befassen. Doch wie Bihani Sarkar in diesem Buch deutlich macht, ist dies keineswegs der Fall.
In der ersten Studie über die Tragödie in der klassischen Sanskrit-Literatur stützt sich Sarkar auf ein breites Spektrum von Sanskrit-Dramen, -Gedichten und -Abhandlungen - von denen viele zum ersten Mal ins Englische übersetzt wurden -, um eine vollständige Geschichte des Tragischen in der indischen Literatur vom zweiten bis zum vierten Jahrhundert darzustellen. Am Beispiel von Kalidasa, dem berühmtesten Autor von Sanskrit-Dichtung und -Drama (kavya), zeigt dieses Buch, dass Konstruktionen von Abwesenheit und Trauer in Kalidasas Werken von zentraler Bedeutung sind und dass diese „tragischen Mittelteile“ weitaus raffinierter sind als bisher angenommen. Für Kalidasa sind die tragischen Mittelstücke Denkweisen, in denen er sich mit theologischen und philosophischen Fragen auseinandersetzt.
Durch eine genaue literarische Analyse der tragischen Mitte in fünf seiner Werke, dem Abhij anasakuntala, dem Raghuva? sa, dem Kumarasambhava, dem Vikramorvasiya und dem Meghaduta, zeigt Sarkar die Bedeutung der Tragödie für die klassische indische Dichtung und das Drama in den ersten Jahrhunderten der gemeinsamen Ära. Diese Darstellungen aus der indischen Literatur stellen durch ihre besondere Funktion und ihr Interesse an der Phänomenologie der Trauer unser bisheriges Verständnis von Tragödie in Frage und formen es auf völlig neue Weise um.